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Arbeitsmarkt: keine faire Chance durch Migrationshintergrund

Arbeitsmarkt: keine faire Chance durch Migrationshintergrund

Ablehnung bei der Jobsuche, größerer Leistungsdruck: Menschen mit Migrationshintergrund haben es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht. Konkrete Details sowie die größten Hindernisse hat eine Umfrage der Jobplattform Indeed hervorgebracht.

Die 20 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland leben, stellen nicht nur fast ein Viertel der Bevölkerung, sondern auch einen substanziellen Teil der Erwerbstätigen. Doch sie fühlen sich bei der Jobsuche benachteiligt.

Schon bei der Bewerbung ist rund ein Drittel der Befragten der Meinung, keine faire Chance zu erhalten, darunter sind mehr Frauen als Männer. Ein weiteres Drittel sieht sich häufig diskriminiert; das letzte Drittel teilt diesen Eindruck nicht. Ebenso sind mehr als die Hälfte der Ansicht, sie müssten am Arbeitsplatz mehr leisten, um die gleiche Anerkennung zu bekommen wie andere. Dies betrifft insbesondere jüngere Menschen, während bei den über 55-Jährigen nur noch 20 Prozent dieser Meinung sind.

Am häufigsten fühlen sich die Befragten aufgrund ihres Namens (37 Prozent), der Staatsangehörigkeit (31 Prozent) sowie dem Geburtsort beziehungsweise -land (27 Prozent) und der Religion (26 Prozent) diskriminiert, 43 Prozent vermuten in den Personalabteilungen Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund. Das betrifft auch Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse, die nicht in Deutschland erlangt wurden.

„Dass sich Menschen aufgrund ihres Namens, der Religion oder der Hautfarbe im Arbeitsleben diskriminiert fühlen, ist einfach ein Unding, aber leider alltäglich“, sagt Frank Hensgens, Geschäftsführer Indeed DACH. „Menschen mit Migrationshintergrund müssen die gleiche Chance erhalten, im Berufsleben erfolgreich zu sein. Das gilt insbesondere auch für Frauen mit Migrationshintergrund, die sich laut unserer Umfrage noch stärker benachteiligt fühlen. Dazu können neue Strukturen und Prozesse im Recruiting einen Beitrag leisten. Genauso entscheidend ist allerdings, dass sich Führungskräfte ihrer Vorurteile bewusst werden, um einer diskriminierenden Personalauswahl und -entwicklung in jeglicher Hinsicht vorzubeugen.”

In der Umfrage ging es auch um Lösungsansätze. So findet die Idee von strukturierten Bewerbungsgesprächen großen Zuspruch, in denen alle dieselben Fragen gestellt bekommen und persönliche Angaben wie Name, Geschlecht oder Nationalität keine Rolle spielen. Ebenfalls als förderlich bewertet wurden Bewerbungen ohne Bild sowie standardisierte Eignungsprüfungen, sogenannte Assessments. Daneben sollten aus Sicht der Befragten die Unternehmen Fähigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund stärker wertschätzen. Dazu gehören vor allem Vielsprachigkeit, interkulturelle Kompetenzen sowie Anpassungsfähigkeit. Ebenso erachten die Befragten die fachlichen Kompetenzen, internationale Arbeitserfahrungen, Resilienz, also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen gut zu bewältigen, sowie andere Blickwinkel auf Themen als überaus wichtig.