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Versorgung in Gefahr

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Versorgung in Gefahr

Aufgrund des demografischen Wandels werden bis zum Jahr 2025 in Deutschland zusätzlich 80.000 Fachkräfte in der Altenpflege und 80.000 Krankenpflegefachkräfte nötig. Dies fanden die Verfasser des 14. „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2018 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert wurde, heraus. Die Untersuchung wurde gemeinsam von dem RWI Leibniz-Institut und dem Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte erstellt.

In den kommenden Jahren wird die Anzahl der Patienten und pflegebedürftigen Menschen weiter wachsen, die der Menschen zwischen 20 und 65 Jahren dagegen ständig abnehmen – von 2015 bis 2025 um 4 Prozent. Durch letztere Tatsache wird sich der Engpass an Fachkräften erheblich verstärken, sodass es extrem schwierig sein sollte, den Personalbestand in hinreichendem Maße mit der Leistungsmenge anzuheben.

Fachkräftemangel, meinen die Autoren des Reports, werde somit zu einer zentralen Herausforderung für die Gesundheitswirtschaft und der effiziente Einsatz der knappen Ressource Personal, zum Beispiel über arbeitssparende Innovationen, zu einer dringenden Notwendigkeit. „Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegekräfte zu entlasten“, sagt Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des RWI-Kompetenzbereichs „Gesundheit“. „Darunter fallen zum Beispiel Innovationen aus den Bereichen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Robotikassistenz, Sensorik, Ambient Assisted Living und Telemedizin. Der derzeitige Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser ist dabei noch äußerst bescheiden.“

Darüber hinaus gilt es, das Angebot an Pflegefachkräften zu erhöhen. Dazu müsse mehr Nachwuchs für den Beruf gewonnen, die Anzahl der Berufsrückkehrer erhöht, die Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften ausgeweitet und qualifizierte Zuwanderung forciert werden, so die Empfehlung der Autoren. In diesem Zusammenhang seien vielfältige Maßnahmen zu ergreifen: Es sollen ein Zuwanderungsgesetz erarbeitet, die Attraktivität der Ausbildung und generell der Gesundheitsberufe gesteigert, interessante Karrierewege für Pflegeberufe sowie neue Berufsbilder geschaffen, die gegenwärtigen starren hierarchischen Strukturen aufgebrochen und bürokratische Tätigkeiten abgebaut werden. Die zunehmende Knappheit an qualifizierten Fachkräften werde zudem zwangsläufig zu einem höheren Lohnniveau führen. Ferner sei es notwendig, die Ambulantisierung der Medizin über Anpassungen am Vergütungssystem zu unterstützen, um auf diese Weise mehr Zeit für die Betreuung stationärer Patienten zu gewinnen.
 
Die aktuelle Regierungskoalition plane zwar einige Maßnahmen, um dieses Bemühen zu unterstützen, räumen die Studienverfasser ein. Doch gedenke sie, durch regulierende Maßnahmen im Bereich der Pflege die Personalknappheit sogar noch zu verschärfen, wie etwa durch die Einführung von Personaluntergrenzen in Krankenhäusern. Probleme in der Pflege lassen sich laut den Wissenschaftlern jedoch keinesfalls durch noch mehr Regulierung lösen, weshalb sie dazu raten, die Pflegequalität der Krankenhäuser für die Patienten transparent zu gestalten und somit die Bedeutung der Pflege im Krankenhaus aufzuwerten.

Ihre gesamten Forderungen an die Politik haben die Autoren des Reports in einer Gesundheitsagenda 2025 zusammengefasst. Diese verlangt zunächst Antworten in der Frage des zunehmenden Fachkräftemangels. Zweitens gilt es, das Gesundheitswesen in Sachen Digitalisierung voranzubringen, unter anderem durch eine standardisierte elektronische Patientenakte, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik. Letztere könnte Pflegekräften mehr Zeit für die Patientenzuwendung verschaffen. Die dritte Forderung sieht vor, das Gesundheitswesen durch eine Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses offener für Innovationen zu machen und die vierte setzt darauf, die Lücke bei den Investitionsfördermitteln im Krankenhausbereich zu schließen, um auf schwierigere Zeiten in den 2020er Jahre vorbereitet zu sein. Fünftens sollte eine neue Ausrichtung der Notfallversorgung die Versorgungssicherheit gewährleisten – dazu zählt nicht zuletzt eine effektive Patientensteuerung. Die sechste Forderung betrifft die Qualitätstransparenz: Diese sollte man – auch und insbesondere sektorenübergreifend – gezielt weiter ausbauen und für die Patienten beispielsweise über digitale Angebote nutzbar machen. Und siebtens ist es erforderlich, eine sektorenübergreifende Versorgung, die konsequent am Patientennutzen ausgerichtet ist, zu etablieren – dies setzt Anpassungen des Vergütungssystems voraus – und die Ambulantisierung der Medizin vorwärts zu bringen.
 
Über das Schwerpunktthema der Pflegefachkräfte hinaus liefert der Krankenhaus Rating Report 2018 empirisch abgesicherte Erkenntnisse über die Entwicklung des Krankenhausmarkts. Als Grundlage dienten rund 500 Jahresabschlüsse von etwa 900 Krankenhäusern.

 

 

 

 

 

 

 

 

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