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PRAXIS Defibrillation 11/2017

Kategorie: News

Herzstillstand: eine reelle Chance

Die Notfallmaßnahmen bei plötzlichem Herzstillstand mit Kammerflimmern sind Herzdruckmassage und Defibrillation. Für ungeschulte Ersthelfer ist so ein Einsatz eine große Herausforderung. Jens Schwarz, Notfallsanitäter und Erste-Hilfe-Lehrer, erklärt, was wichtig ist und welcher Defibrillator dabei die beste Unterstützung leistet.

 

Über 100.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen plötzlichen Herztod. „Das ist, als würde täglich ein voll besetztes Flugzeug abstürzen“, veranschaulicht Notfallsanitäter Jens Schwarz diese Zahl. Das lässt aufhorchen: Wie viel Aufsehen erhält doch ein Flugzeugabsturz, der hierzulande alle paar Jahre vorkommt. Ursachen und Verantwortliche werden gesucht und Maßnahmen ergriffen. Natürlich ist in medizinischen Notfällen für Hilfe gesorgt, dennoch ist die Zahl der Todesfälle unfassbar hoch – nicht zuletzt, weil die Zeit eine so große Rolle für die Rettung spielt und es in vielen Fällen zu lange dauert, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Als Notfallsanitäter ist Schwarz die eine Hälfte seiner Arbeitszeit tätig. Während der anderen Hälfte führt er Erste-Hilfe-Schulungen durch. „Die Teilnehmer sind Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Pflegekräfte und Ärzte mitsamt ihren Teams, aber auch Handwerker und andere Berufstätige, die ständig mit Menschen in Kontakt sind. Sie lernen bei mir alles, was mit Erster Hilfe und Rettung zu tun hat. Sie möchten vor allem wissen, wie sie bei akutem Herzstillstand vorgehen müssen“, erzählt er. „Die Kombination aus Theorie und Praxis ist sehr gut, denn ich kann den Teilnehmern aus meinen Alltagserfahrungen vermitteln, wie man das erlebt, wenn jemand leblos vorgefunden wird.“

 

 

bild JensSchwarz

„Viele Menschen möchten helfen, doch sie wissen einfach nicht, was sie zu tun haben, und fürchten, dass sie eher schaden als nützen. Das DOC-System gibt dem Ersthelfer Sicherheit, indem es ihn anleitet. Damit kann man nichts falsch machen, selbst wenn man nicht medizinisch geschult ist.“

JENS SCHWARZ, Notfallsanitäter

 

 

 

 

Aus der Praxis weiß er, dass lediglich 30 Prozent der Notfalleinsätze in Verbindung mit Unfällen stehen und chirurgische Eingriffe erfordern. Ganze 70 Prozent seien sogenannte innere Notfälle, darunter vor allem Herzinfarkte und Schlaganfälle und alles rund um Atemnot. In ländlichen Gebieten erfolge jeder dritte Einsatz aufgrund des Verdachts auf Herzinfarkt. „Es kann jeden Menschen überall treffen. In der Regel zeigt der plötzliche Herzstillstand zuvor keine besonderen Anzeichen. Nur die Minderheit spürt vorab einen ausstrahlenden Schmerz, der mit Übelkeit, Rückenschmerzen und Todesangst einhergeht.“ Sehr häufig sei der „plötzliche Herztod“ die Folge eines Herzinfarkts.

DER INFARKT: DIE UHR LÄUFT

Wenn der Infarkt ausbricht, läuft die Uhr gegen den Patienten. Mit jeder Minute sinkt die Chance auf Besserung, wenn nichts unternommen wird. „Bis der Notarzt eintrifft, gerinnungshemmendes Heparin oder schmerzstillendes Morphin verabreicht und entscheidet, wo der Patient hinkommt – meistens ist es die Intensivstation –, sollen die Anwesenden klassische Erste Hilfe leisten“, rät Schwarz. „Dazu gehört auch, Ruhe zu bewahren, das Fenster zu öffnen, um für mehr Sauerstoff zu sorgen, und unter Umständen ein Aspirin zu verabreichen. So wichtig, wie den Notfall zu melden, ist, falls der Herzinfarkt in einen Herzstillstand mündet, eine Herzdruckmassage vorzunehmen: 100 bis 120 Mal in der Minute im Rhythmus des Songs ‚Staying alive‘ von den Bee Gees auf den Brustkorb drücken.“ Atem prüfen, Hilfe rufen, Massage durchführen – das ist die Reihenfolge, in der vorgegangen werden sollte. 30 Mal drücken, zweimal beatmen sei noch besser, sagt Schwarz, doch wer das nicht könne, soll drücken, drücken und drücken, bis der Notarzt kommt.

Wenn ein Patient nicht ansprechbar ist, nicht mehr atmet und keinen Puls hat, ist ein Defibrillator angezeigt, der herausfindet, ob das Herz Kammerflimmern hat, bei dem der Herzmuskel die Pumpleistung versagt und die Herztätigkeit ungeordnet verläuft – das ist unmittelbar tödlich. Im „positiven“ Fall sollte ein sanfter rettender Stromschlag folgen, der das Herz wieder anstößt. „Durch diese Wiederbelebung des Herzens steigt die Chance um 75 Prozent, dass der Betroffene in ein normales Leben zurückkehren kann, sofern sie rechtzeitig erfolgt. Wenn er hingegen zu lange ohne Sauerstoff daliegt, sind bleibende Schäden sehr wahrscheinlich – wenn der Patient das überhaupt überlebt.“

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MEHR ALS EIN DEFIBRILLATOR: Sobald man den DOC von der Wand nimmt, startet er den Notruf 112 und stellt die Verbindung zu einer Rettungsstelle her, über die der Ersthelfer professionelle Anleitung erhält. 

 

 

Es gab schon Versuche, ein öffentliches Defibrillator-Netz aufzubauen; zu Hause hat niemand so ein Hilfsmittel. Berufsgenossenschaften empfehlen sogenannte automatisierte externe Defibrillatoren (AED), die in der Lage sind, den Herzrhythmus zu untersuchen und einen Stromimpuls abzugeben, an Bahnhöfen, Raststätten, Flughäfen, in Stadien, Rathäusern, Banken, Hotels und großen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter und Gäste schützen möchten, anzubringen. Eine Vorschrift gibt es jedoch nicht, niemand kennt dieZahl der Geräte, die im öffentlichen Raum angebracht sind. Doch wer kann schon mit einem Defibrillator umgehen? „Ich bin immer froh, wenn ein DOC in der Nähe ist“, sagt Schwarz.

DEFIBRILLATOR MIT NOTRUF

Der DOC (Defibrillator Operational Connected oder Operativer Vernetzter Defibrillator) von Almas Industries ist ein Defibrillator mit integrierter Kommunikationseinheit und einem Verbandskasten, den man nutzen kann, wenn beispielsweise eine Blutung zu stillen ist. Er ist mobil und kann mit zum Patienten genommen werden. Das ganz Besondere ist die Kommunikationseinheit. Sobald man den DOC von der Wand nimmt, startet er den Notruf 112 und stellt die Verbindung zu einer Rettungsstelle her, über die der Ersthelfer professionelle Anleitung erhält – zum Beispiel, wie er sich bei einem Krampfanfall, einem Schlaganfall oder bei einer Unterzuckerung zu verhalten hat. Bei einem Herzstillstand bekommt er zusätzlich Anweisungen, wie er die Elektroden an den Patienten anlegt und das Gerät startet. Der Defibrillator analysiert daraufhin selbstständig, ob ein Kammerflimmern vorliegt. Wenn nicht, empfiehlt er die Druckmassage und gibt dabei den Takt vor. Wenn ja, entscheidet er, dass vor der Massage der lebensrettende Schock durchgeführt werden soll. Immer wieder führt der DOC die Analyse durch und steht dem Ersthelfer bis zum Eintreffen des Notarzts zur Seite.

„Viele Menschen möchten helfen, doch sie wissen einfach nicht, was sie zu tun haben, und fürchten, dass sie eher schaden als nützen“, berichtet Schwarz aus seiner täglichen Praxis. „Das DOC-System gibt dem Ersthelfer Sicherheit, indem es ihn anleitet. Damit kann man nichts falsch machen, selbst wenn man nicht medizinisch geschult ist.“

Durch eine Fernwartung ist gewährleistet, dass der DOC auch jederzeit funktioniert. „Natürlich ist der DOC kein Allheilmittel“, weiß auch Jens Schwarz. „Die wichtigste Prämisse ist und bleibt, dass der Mensch, der da liegt, schnell gefunden wird. Doch dann bietet der DOC gute Voraussetzungen und gibt ihm eine Chance.“

Anja Knies

 

 

 

Fotos: Marc Jedamus, shutterstock 

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