Aktuelle Ausgabe

TITEL Frankiersysteme 4/2016

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

„Wir denken Design langfristig"

Ein Frankiersystem soll nicht nur langlebig und leicht zu bedienen sein, sondern sich auch gut in seine Büroumgebung einfügen. Wie das geht, zeigt ein Blick hinter die Kulissen der Forschung & Entwicklung von Francotyp-Postalia.

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ENTWICKLER: Matthias Lorenzen (links) und Alexander Krumholz von FP

 

 

Vor einiger Zeit stand Matthias Lorenzen hinter dem Empfangstresen eines Altenheims. Der Projektleiter für Innovationsprojekte bei Francotyp-Postalia durfte dort einer FP-Kundin bei der Arbeit über die Schulter schauen, zu der unter anderem die Postbearbeitung des Altenheims gehörte. Die Frau war von recht kleiner Statur – jedes Mal, wenn sie Briefe mit der Frankiermaschine freimachen wollte, musste sie umständlich auf einen kleinen Holzhocker steigen. Nur so konnte sie nämlich auf den Bildschirm des Geräts sehen. Ein Schlüsselmoment, erinnert sich Lorenzen: „Das war letztlich die Geburtsstunde unseres klappbaren Displays.“
Die Mitarbeiterin des Altenheims war eine von rund 230 Kunden in Deutschland, den USA und Großbritannien, die Lorenzen und einige Kollegen aus Forschung & Entwicklung, Marketing und Produkt-Management von FP besuchten und sie bei ihrer Arbeit begleiteten. Ziel war es, möglichst viel über die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfahren. „Wir wollten herausfinden, welche Produktmerkmale und Anforderungen für die Nutzer wichtig sind, und uns ihre Arbeitsumgebung live und vor Ort ansehen“, berichtet Lorenzen weiter. Die Ergebnisse dieser Befragung bildeten das Fundament für eine neue Generation von FP-Frankiersystemen: die PostBase-Familie.
Das Produktdesign einer Frankiermaschine ist eine hochkomplexe Angelegenheit – schließlich muss das Gerät vielen verschiedenen Anforderungen genügen: Seine einzelnen Elemente sollten in der Montage gut zu verarbeiten und später vom Service leicht zu warten sein. Und der Nutzer schätzt es, wenn das Gerät nicht nur einfach zu bedienen ist und fehlerfrei arbeitet, sondern im Büro auch noch möglichst schick aussieht.
„Für unser PostBase-Frankiersystem, das 2012 als erstes Modell der PostBase-Familie auf den Markt kam, haben wir deshalb ein Vorentwicklungsprojekt gestartet“, erklärt Lorenzen. „Dabei haben wir einzelne Module entwickelt und von A bis Z durchgetestet – zum Beispiel einen innovativen Riemenantrieb. Er befördert Briefe in Kombination mit einer Bürsteneinheit durch die Frankiermaschine. Mit diesem Antriebskonzept stellen wir heute einen hochgenauen Transport der Sendungen sicher. So lassen sich auch dicke oder ungleichmäßig gefüllte Briefe perfekt frankieren.“

SCHLUSS MIT TASTEN

Außerdem hatte die Nutzerbefragung schon damals ergeben: Der Trend geht in Richtung einfacher Bedienoberflächen, wie man sie heute zum Beispiel vom Smartphone kennt. Für Lorenzen bedeutete das: Schluss mit Tasten. „Mit der PostBase haben wir deshalb zum ersten Mal unsere innovative One-Button-Technologie eingeführt“, erklärt er. „Am gesamten Gerät gibt es nur noch eine Taste, nämlich zum An- und Ausschalten. Alles andere funktioniert über ein farbiges Touchdisplay.“
Nachdem alle Module ausgereift waren, begann für Lorenzen und seine Kollegen die Puzzlearbeit: Sie testeten, wie sich die verschiedenen Komponenten sinnvoll zusammenfügen ließen, sodass das Endprodukt bestmöglich den genannten Anforderungen entspricht. „Auf diese Weise ist ein Aufbau der Maschine entstanden, bei dem alle Elemente im Produkt optimal ineinandergreifen. Am Ende hatten wir eine idealisierte Darstellung des Frankiersystems. Auf dessen Basis konnten wir das Gehäuse gestalten.“
Folgte die Forschung & Entwicklung hier also dem Prinzip „Form follows Function“? „Nein, ganz und gar nicht“, sagt Lorenzen. „Das klingt für mich immer nach Design nach dem Stromkabelprinzip: Der Konstrukteur baut irgendwas und wir packen am Ende einfach irgendeine Abdeckung darüber. Dem ist aber nicht so: Auch in unser Gehäusedesign fließen viel Zeit und konzeptionelle Überlegungen in enger Zusammenarbeit zwischen Designer und Konstruktion.“

SACHLICH, ABER SCHICK

Frankiersysteme sind oft viele Jahre oder gar jahrzehntelang beim Kunden im Einsatz. „Entsprechend haben wir den Anspruch, dass unsere Geräte nicht nur hochwertig und langlebig sind: Ihre Qualität soll sich auch in einem zeitlosen und ansprechenden Design widerspiegeln“, führt der Diplom-Ingenieur, der vor seiner Arbeit für FP in einem Designbüro tätig war, weiter aus. „Wir denken Design langfristig. Sachlich, aber schick soll es sein. Wir setzen, wenn man das so sagen kann, auf wertige Innovation – nicht nur im Inneren unserer Geräte, sondern auch in ihrem ästhetischen Erscheinungsbild.“
Ins Design der PostBase und ihrer „Familienmitglieder“ floss eine weitere Erkenntnis aus der Kundenbefragung ein: Viele Nutzer wünschen sich die Möglichkeit, das Frankiersystem ihrer Büroeinrichtung optisch anzupassen. So erinnert sich Lorenzen gern an einen Makler im US-amerikanischen Cleveland, der sein Büro komplett in Wurzelholz eingerichtet hatte, mit edlen Intarsien und goldenen Lampen und Stühlen. Sein damals graues Frankiersystem hatte er in einem Wandschrank verstaut, weil es sich nicht so recht in die Atmosphäre des Raumes einfügen wollte.
„Einheitsgrau im Büro war gestern“, sagt Lorenzen. „Arbeitsumgebungen sind heute viel individueller gestaltet. Deshalb wünschen sich Kunden auch bei den Produkten, die sie auf der Arbeit tagtäglich anschauen, die Möglichkeit zur Individualisierung.“ Wer sich für eine PostBase entscheidet, kann deshalb heute aus verschiedenen Gehäusefarben wählen. Sie ist erhältlich in dezentem Schwarz oder Blau, aber auch in auffälligen Tönen wie Pink und Gold – letzteres gefällt dem Makler aus Cleveland. Auch die weiteren Systeme der PostBase-Familie lassen farbliche Individualisierungen zu.

ZWISCHEN ALT UND NEU

Für das innovative Design der PostBase erhielt Francotyp-Postalia den renommierten RedDot-Award. Mit der PostBase Mini kam im Jahr 2015 schließlich ein zweites, kleineres System auf dem Markt. Die PostBase Mini ist eine intuitiv zu bedienende Frankiermaschine mit modernster Kommunikationsanbindung über das Internet.
Mit der PostBase Mini hat Lorenzen gemeinsam mit Projektleiter Alexander Krumholz und weiteren Kollegen einen Brückenschlag zwischen alter und neuer Generation von Frankiersystemen geschafft: Einige technologische Module der PostBase Mini – quasi die inneren Werte der Maschine – bauen auf bewährten Komponenten des Vorgängermodells MyMail auf und wurden mit neuen Elementen kombiniert. Kleiner als ein DIN-A4-Blatt fügt sich das Frankiersystem nun in jeden Büroarbeitsplatz. Sie lässt sich direkt am Schreibtisch anwenden – so wird das System zu einem Teil der täglichen Arbeit.  Was das äußere Erscheinungsbild und die innovative Bedientechnologie angeht, setzt FP den mit der PostBase eingeschlagenen Weg konsequent fort: Die augenschmeichelnde Form des edlen Gehäuses, in dem verschiedene Materialien, Oberflächen und Lichtakzente zum Einsatz kommen, sollen die PostBase Mini zum schicken Accessoire im Büroumfeld machen. Neben dem eleganten Design sorgen auch hier ein farbiges Touchdisplay und die One-Button-Bedientechnologie für höchsten Nutzerkomfort – die Verwandtschaft zur großen Schwester PostBase ist unverkennbar.
Und nun? Der Projektleiter für Innovationen ist gedanklich schon wieder drei Schritte weiter. Egal ob Google Glass, Virtual Reality oder auch völlig neue Farbpigmente – Lorenzen hat seine Augen und Ohren immer am Markt. Es ist wichtig, Informationen und Impressionen verschiedenster Art zu sammeln. Denn, so sagt er abschließend: „Die Welt dreht sich weiter. Wir sehen es als unsere Aufgabe, neue Trends zu antizipieren – und die Wünsche des Kunden möglichst schon zu erfüllen, bevor er sich dessen überhaupt bewusst ist.“

Daniel Müller

 

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