Aktuelle Ausgabe

TITEL Designklassiker 4/2016

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Holz + Stahlrohr = Designklassiker?

Zugegeben: Es braucht für einen Stuhl wie den „SE 68“ von Egon Eiermann und Wilde+Spieth ein bisschen mehr als nur Holz und Stahlrohr um als Designklassiker zu gelten. Vor allem sein zeitloses Design, die Langlebigkeit und die hochwertige Verarbeitung spielen sicherlich eine entscheidende Rolle.

Kinderchen, könnt ihr auch Stühle bauen?“ Mit dieser Frage konfrontierte Egon Eiermann, einer der bekanntesten Architekten der deutschen Nachkriegsmoderne das Unternehmen Wilde+Spieth im Jahr 1948. Eigentlich beschäftigte sich der Architekt mit Gebäuden wie der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, dem Bonner Abgeordnetenhaus, der deutschen Botschaft in Washington oder den Olivetti-Türmen in Frankfurt, die allesamt zu seinen bekanntesten Bauten gehören. Doch er erkannte als einer der großen, dass es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen Gebäude, Menschen und Mobiliar gibt. Vor allem letztere galt es, noch weiter zu optimieren.

MENSCHLICHES MASS

Eiermann hatte die Vision, den (Sitz-)Möbeln ein „menschliches Maß“ zu geben. Für die Umsetzung seiner Ideen sorgte das Unternehmen Wilde+Spieth, das die eingangs gestellte Frage nicht nur bejahen konnte, sondern auch in der Praxis zeigte, dass es genau der richtige Hersteller für Eiermanns Stühle war, und dabei gleich einen echten Designklassiker schuf.
Der „SE 68“ bestand damals wie heute aus einem Stahlrohrgestell in Verbindung mit einer „organisch” geformten Sitzfläche und Rückenlehne aus Formholz – und war in dieser Materialkombination das früheste Modell in Deutschland. Die Kombination dieser langlebigen Materialien mit einer qualitativ hochwertigen Verarbeitung, sein zeitloses Design, das sich an die Sitzbedürfnisse des Menschen anpasst und die Tatsache, dass ein bekannter und talentierter geistiger Vater, nämlich Egon Eiermann, hinter den Entwürfen steckt, machen den Stuhl erst zu einem Klassiker.
Gleich eine ganze Stuhlfamilie entwarf und produzierte das Team, das genau diesen Kriterien entsprach: Neben dem Mehrzweckstuhl „SE 68“ gibt es unter anderem auch den Dreibeinstuhl „SE 42“, den Drehtsuhl „S 197 R“ oder den Klappstuhl „SE 18“, die allesamt von Anfang an von Wilde+Spieth produziert wurden und heute noch fast ausschließlich in Deutschland hergestellt werden. Die Kunden erhalten somit ein echtes deutsches Produkt– vom Entwurf bis zum fertigen Sitzmöbel.
„Die Produkte zeichnen sich durch ein zeitloses Design aus, das sich durch optische Zurückhaltung sowie Funktionalität auszeichnet und sowohl im privaten Umfeld, als auch in architektonisch anspruchsvollen Objekten seinen Platz finden“, weiß Thomas Gerber, Geschäftsführer bei Wilde+Spieth. Und das Wichtigste: Die Sitzmöbel-Klassiker genügen auch heute den modernen Ansprüchen, ohne ihre ursprüngliche Ausstrahlung zu verlieren, wie unzählige Nutzer unterschiedlicher Branchen beweisen.

Anna Sieradzki

 

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