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TEST Vorwerk Temial 4/2020

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Teure Tea-Time

Ob Kaffee oder Tee: Die Geschmäcker sind unterschiedlich – auch im Büro. Während Kaffeeliebhaber immer häufiger entsprechende Kaffeevollautomaten vorfinden, haben Teetrinker das Nachsehen und müssen auf die manuelle Zubereitung zurückgreifen. Vorwerk hat deshalb eine spezielle Teemaschine auf den Markt gebracht, die ganz automatisch Tee in hoher Qualität bereiten soll. Klar, dass FACTS neugierig war und das Gerät unter anderem im Meeting ausgiebig ausprobiert hat. 

Kaffeetrinker wissen, dass nur eine gute Bohne in Verbindung mit einer professionellen Zubereitung den „perfekten“ Kaffee ausmacht. Da kann eine hochwertige Maschine den Unterschied zwischen gutem und sehr gutem Getränk bewirken. Doch gilt das auch für Tee? Braucht es hier neben qualitativ hochwertigen Teeblättern, einem Sieb und einem Wasserkocher mehr? Zugegeben: Auch wenn es einige Teetrinker – und damit Kenner – in der FACTS-Redaktion gibt: An einen speziellen Teevollautomaten hat hier bisher noch keiner wirklich einen Gedanken verschwendet. Denn anders als bei einem Kaffeevollautomaten, der Bohnen mahlen kann, muss bei Tee in der Regel keine entsprechende Vorbereitung vorgenommen werden. Welchen Mehrwert würde also ein „Teevollautomat“ leisten?

Für stolze 600 Euro bietet Vorwerk, der mit seinem Thermomix ja durchaus sehr erfolgreich ist, ein solches Gerät an. Neben dem privaten Gebrauch findet der Automat laut Hersteller auch in Unternehmen seine Anwendung, vergleichbar mit einer automatischen Kaffee- oder Wasserfiltermaschine. Der Lieferumfang des FACTS-Testpakets enthielt neben der Maschine selbst ein Probierset mit einer Auswahl an 29 hauseigenen Temial-Tees in verschiedenen Sorten, einen Wasserfilter der Marke Brita und eine passende, kleine Glaskanne.

Auspacken, Begutachten und Einrichten dauerten eine knappe Stunde. Rein optisch macht Temial definitiv eine gute Figur: Das Design ist modern und klar, die Verarbeitung ist hochwertig. Das Gerät selbst nimmt allerdings viel Platz ein. Ein Plus ist die übersichtlich gestaltete Bedienungsanleitung, die den Nutzer durch alle Schritte führt – beispielsweise wie sich mithilfe eines Wasserabstrichs der richtige Härtegrad für den Wasserfilter einstellen lässt. Nach einigen automatischen Spülvorgängen, die besonders vor der ersten Nutzung aus hygienischen Gründen essenziell sind, konnte endlich der erste Tee zubereitet werden.

 

EinzelteineMaschine fertiger Tee
GROSSE VORBEREITUNG: Nach rund einer Stunde – unter anderem mit mehreren Spülgängen – war die Temial-Maschine einsatzbereit. Die Bedienung ist durch die mitgelieferte Anleitung sehr einfach.
 

Die Handhabung ist denkbar einfach: Der lose Tee wird auf dem Sieb verteilt und das Etikett des mitgelieferten Tees an den eingebauten QR-Scanner gehalten. Das Gerät erkennt automatisch, um welche Sorte es sich handelt und passt die benötigte Temperatur, die Ziehzeit und die Anzahl an möglichen Teeaufgüssen an. Die Anzeige mit Touchscreen zeigt, wann der Tee fertig ist. Übrigens lässt sich der Vollautomat auch mit eigenem losen Tee verwenden: Dazu müssen lediglich die Zeit, Temperatur und die Menge manuell eingestellt werden. Grundsätzlich toll, dass man nicht nur auf den Herstellertee angewiesen ist, jedoch stellt sich hier die Frage nach dem Mehrwert, den das Gerät ohne die Automatik dann noch hat. Schließlich lassen sich handelsübliche Wasserkocher – auch niedrigpreisige – längst per Knopfdruck auf eine bestimmte Temperatur einstellen, beispielsweise für die Zubereitung von grünem Tee.

QUALITÄT UND GESCHMACK

Der Filter funktionierte im Test einwandfrei. Die Tester konnten keine Rückstände loser Teeblätter am Boden der Kanne finden. Auch die Qualität des aufgebrühten Tees war anstandslos. Sowohl geschmacklich als auch hinsichtlich der Farbe und des Geruchs der unterschiedlichen Sorten gab es von den Testern ein positives Feedback.

KEINE ZEITERSPARNIS

Wie bei solchen Zubereitungsgeräten üblich, ist eine anschließende Reinigung notwendig: Der Tee muss per Hand aus dem Sieb entfernt und zusammen mit der Aufgusskammer gespült werden. Der Wassertank benötigt eine neue Füllung, wenn weiterer Tee aufgegossen werde soll. Alles kein Problem und auch nicht mehr Arbeit als bei der Zubereitung per Wasserkocher und Teesieb. Hier kommt allerdings noch hinzu, dass das Gerät zwischendurch und nach einem Neustart die eben erwähnte drei Minuten lange Spülung vornimmt. Alles in allem spart man hier also keine Zeit bei der Zubereitung, eher im Gegenteil.

 

DisplayMaschine AppHandy
SMARTER HELFER: Über eine App lässt sich die Teezubereitung steuern. Auch kann hier unter anderem mit wenigen Klicks Tee nachbestellt werden.
 

Vielleicht kann ja die App, die es passend zum Temial gibt, den erhofften Mehrwert bieten. Hierzu muss pro Nutzer ein Account in der App angelegt werden; der Temial-Automat muss dazu ins eigene WLAN eingebunden werden. Das hat bei einigen Testern erst mit dem zweiten Anlauf geklappt, ein kleines Firmwareupdate kostete weitere Minuten. Die Funktion, die Maschine nun auch beispielsweise aus einem anderen Raum heraus bedienen zu können und Vorgänge zu starten, machte für die Nutzer nur in einem Fall wirklich Sinn: Wenn man alles vorher am Gerät vorbereitet (Tee ins Sieb einfüllen, Wasser in den Tank geben, Code des Tees scannen oder entsprechende manuelle Eingaben vornehmen) und aus einem Meeting heraus schon mal die Maschine starten möchte, um keine unnötige Zeit zu verlieren. Durch das geringe Volumen der kleinen Glaskanne sind mit einem „Brühgang“ allerdings nicht mehr als zwei, maximal drei Tassen gefüllt. Der Test im Meeting mit acht Personen bedeutete also, dass insgesamt dreimal Tee gekocht werden musste, um alle zu bedienen. Das empfanden einige Teilnehmer als etwas lästig. Vermutlich ist die Maschine doch eher für die private Nutzung geeignet. Als weitaus praktischer erweist sich die App übrigens für die Nachbestellung von Teesorten oder wenn Ersatzteile benötigt werden.

Völlig überzogen fanden die Testredakteure die hohen Anschaffungskosten von 600 Euro sowie die Folgekosten für den Tee, die bei acht bis 22 Euro pro hundert Gramm liegen. Letztere lassen sich durch eigenen losen Tee niedriger halten. Die empfohlenen Filterkartuschen kosten 12 Euro pro Stück. Im Test forderte die Maschine bislang noch keinen Wechsel.

Jonah Jeschonneck/Anna Köster

  

FAZIT

Aus FACTS-Sicht ist die Maschine ein reines „Prestigeobjekt“, um Kunden während eines Meetings eindrucksvoll Tee zu bereiten. Auch denjenigen, die sich vor der korrekten Teezubereitung scheuen, kann Temial helfen. In allen anderen Fällen rechtfertigt der hohe Preis nicht die Anschaffung: Zeit spart man hier im Vergleich zur herkömmlichen Teezubereitung nicht. Bei Nutzung eigener Teesorten dauerte es sogar noch länger, da manuelle Eingaben vorgenommen werden müssen. Einige Tester empfanden Temial als einen besseren Wasserkocher – für viel Geld.

 

Produkt: Vorwerk Temial
Beschreibung: Teevollautomat 
Anbieter: Vorwerk 
Preis: ca. 600 Euro inkl. MwSt. 
Kontakt: www.temial.vorwerk.de 

 

Beurteilung

FACTS Befriedigend0420

Funktionalität: 4/6
Qualität: 6/6
Bedienung/Handhabung: 5/6
Optik: 6/6
Preis/Leistung: 2/6

Gesamtergebnis: befriedigend

 

 

 

 


 Fotos: Silke Cremer