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TEST Mystery-Shopping MFP 5/2016

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Vergleichen lohnt immer!

Drucken und Kopieren sind oftmals teurer, als man glaubt, allerdings lassen sich mit Allinclusive-Klickpreisverträgen eine Menge Kosten einsparen. Im Rahmen eines Mystery Shoppings zeigt die Redaktion, dass es sich lohnt, die angebotene Hardware und die dazugehörigen Klickpreisverträge der unterschiedlichen Anbieter genau zu prüfen – selbst dann, wenn es sich, wie das Beispiel Ricoh zeigt, um die gleiche Marke handelt.

Über ein befreundetes Unternehmen hatte die Redaktion Angebote von ingesamt drei  Ricoh-Fachhandelspartnern sowie vom Ricoh-Direktvertrieb in Düsseldorf angefordert. Hierbei handelte es sich um die Lieferung von zwei Multifunktionssystemen vom Typ Ricoh MP C3003sp. Beide Maschinen sollten im Rahmen eines „All-in-Mietvertrags“ (Vertragsdauer 24 und 36 Monate) inklusive der Kosten für Installation und Verbrauchsmaterialien angeschafft werden. Das geplante Einsatzvolumen: 50.000 Schwarzweiß- und 30.000 Farbseiten pro Jahr. Selbstverständlich mussten im Angebot auch die zusätzlich anfallenden Klickkosten bei einer Überschreitung des genannten Volumens genannt werden.
Wie bei einem FACTS-Mystery-Shopping üblich, wurden in der Ausschreibung alle Angaben so genau gemacht, wie eben möglich, damit es zu keinen Rückfragen kommt. Trotzdem wurde natürlich ein Ansprechpartner für eventuell aufkommende Rückfragen genannt.

REAKTIONSZEIT: 4 STUNDEN

Von großer Bedeutung waren für die Redaktion die Leistungen im Servicebereich. Im Störfall wurde eine Reaktionszeit von maximal vier Stunden erwartet und nach Beendigung der Vertragslaufzeit sollte das komplette Equipment bei Bedarf vom Anbieter wieder kostenlos abgeholt werden.
Alternativ sollte der Anbieter dann noch den reinen Gesamtverkaufspreis inklusive Lieferung aber ohne Service und Verbrauchsmaterial angeben. Für die Erstellung des Angebots gab die FACTS-Redaktion den Anbietern etwas mehr als zwei Wochen Zeit.
Schon ein paar Tage nach dem Versand der Ausschreibung kam die erste Antwort vom Ricoh-Direktvertrieb aus Düsseldorf. Das Angebot war sauber, ausführlich und leicht verständlich. Allerdings wurden die Angaben nicht so gemacht, wie es FACTS erwartet hatte. Es fehlten sowohl die Preise bei einer Laufzeit von 24 Monaten als auch der Kaufpreis ohne vertragliche Bindung. Beides wollte der Ricoh-Direktvertrieb nicht nennen. Ganz anders der Ricoh-Händler, der ebenfalls im festgelegten Zeitraum ein tadelloses Angebot schickte: Hier wurden, wie auch die Tabelle zeigt, alle geforderten Parameter angeben, und das darüber hinaus, zu einem sehr viel günstigeren Preis. Hochgerechnet auf eine Laufzeit von 36 Monaten ließen sich bei der Entscheidung für den Ricoh-Fachhandelspartner über 1.500 Euro einsparen. Beim Preis für die Folgeseiten hatte der Händler ebenfalls mit seiner Preisangabe die Nase vorn.

RICOH-PARTNER WOLLTE NICHT

Leider war es das auch schon mit den Angeboten: Von den noch fehlenden zwei Händlern kam keine Reaktion. Der Grund: Der Düsseldorfer Fachhändler war zwar im Februar 2016 noch auf der Ricoh-Website als zertifizierter Ricoh-Händler gelistet, hatte aber Ende 2015 schon Insolvenz angemeldet.
Warum der dritte Ricoh-Fachhandelspartner auch nicht reagierte, ist unklar: Ob man kleinen Aufträgen aus Zeitgründen keine Beachtung schenkt oder ob die Marge für Ricoh-Systeme zu klein ist, bleibt dahingestellt. Da der ebenfalls aus Düsseldorf stammende Fachhändler neben Ricoh-Systemen auch Canon- und Kyocera-Lösungen vertreibt, hätte es für ihn ja durchaus auch Alternativen gegeben.

 

HINTERGRUND

Allemal einen Versuch wert

Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung hat Ricoh Deutschland seine Geschäftsleitung personell komplett neu aufgestellt. So hat Niculae Cantuniar seit September als CEO und Vorsitzender der Geschäftsleitung die Gesamtverantwortung. Hinzu kommen vertriebliche Aufgaben wie Direktvertrieb, indirekter Vertrieb, Großkunden- und Branchenvertrieb sowie die Bereiche Produktionsdruck und das Lösungsgeschäft. Peter Tabke, seit November 2011 Mitglied der Geschäftsleitung von Ricoh Deutschland und verantwortlich für die deutsche Vertriebsorganisation, ist seit Anfang des Jahres nicht mehr im Unternehmen.
Insgesamt wurde das oberste Management, dem bis ins Jahr 2014 noch ganze neun Manager angehörten ordentlich zusammengeschrumpft – auf aktuell vier Personen. „Unser Ziel ist klar: Wir werden den Fokus unserer Aktivitäten in sämtlichen Unternehmensbereichen und Vertriebskanälen voll und ganz auf den Kunden ausrichten“, erklärte Cantuniar im Februar. „Dies wird uns dabei helfen, den sich stetig wandelnden Kundenanforderungen noch schneller und effektiver gerecht zu werden.“ Wie das Mystery-Shopping zeigte, scheint es in diesem Bereich tatsächlich noch beträchtlichen Optimierungsbedarf zu geben.
Dazu passt, dass Ricoh Deutschland im April ein neues Channel-Partnerprogramm angekündigt hat. Dieses soll transparente Strukturen, individuelle Unterstützung sowie ein noch effektiveres Zertifizierungsprogramm beinhalten. „Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass unsere Vertriebspartner den dynamischen Marktanforderungen und Kundenbedürfnissen optimal begegnen können“, wird Cantuniar in einer Pressemitteilung von Ricoh zitiert. „Vor diesem Hintergrund nimmt das neue Ricoh-Channel-Parnterprogramm eine Schlüsselrolle für die Erreichung unserer mittelfristigen strategischen Wachstumsziele im gesamten indirekten Geschäft ein.“ Man darf gespannt sein, ob Cantuniar beide Vorhaben in die Tat umsetzen kann..

 

Daniel Müller

 

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