Aktuelle Ausgabe

MYSTERY Shopping Kaffee/Service 7-8/ 2017

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Im Kaffee-Dschungel

Das beliebteste Heißgetränk im Büro ist nach wie vor der Kaffee. Ebenfalls sehr geschätzt werden in diesem Zusammenhang mittlerweile auch Unternehmen, die einen Service bieten, bei dem sich der Endkunde in Sachen Kaffeezubereitung um nahezu „nichts“ mehr kümmern muss, außer darum, den Knopf am Automaten zu drücken. Wie sich die Angebote der einzelnen Anbieter unterscheiden, wollte FACTS mit einem Mystery Shopping herausfinden.

Egal, ob es sich um einen Latte Macchiato, Cappuccino, Espresso oder um andere Kaffeespezialitäten handelt: Der Kaffee ist immer noch vor Bier und Wein das Lieblingsgetränk der Deutschen. Mit rund 150 Litern pro Kopf im Jahr gehört Deutschland zu den größten Kaffeemärkten weltweit. Da liegt es doch nahe, dass diese köstlichen Kaffeegetränke nicht nur bei Starbucks und Co., sondern mittlerweile auch in Büros, in Arzt- oder Anwaltspraxen, in Autowerkstätten, in Geschäftsstellen von Versicherungen und Banken oder auch in Krankenhäusern den Mitarbeitern und Kunden angeboten werden. Doch wer hat schon die Zeit, im Unternehmen den Barista zu spielen, um etwa den perfekten Cappuccino zuzubereiten? Niemand. Hier müssen Automaten her, die in höchstmöglicher Qualität und zu moderaten Kosten den Kaffee bereitstellen. Möglich machen das moderne Vending-Kaffeeautomaten, die mehr oder weniger auf Knopfdruck Kaffeespezialitäten produzieren, die oftmals kaum von denen der bekannten Kaffeehäuser zu unterscheiden sind. 

DIE ANBIETER IM VERGLEICH

Unterschiede gibt es aber sehr wohl bei den Vertragsmodalitäten, zu denen der Anwender in den Genuss dieses besonderen Service kommt. FACTS hat in einem Mystery Shopping das Angebot (Bedarf: rund 1.000 Portionen im Monat) sechs Anbieter unter die Lupe genommen: Mit dabei waren die Kaffeeservice-Unternehmen coffee at work, coffee plus, CUP&CINO, Dallmayr, Kaffee-Partner und Tchibo. Dass diese namhaften Dienstleister den Kunden mit ihren modernen Kaffeeautomaten einen hervorragenden Kaffee und cremige Spezialitäten anbieten, davon geht die Redaktion aus. Der Geschmackstest konnte aus diesem Grund ausfallen. Verglichen wurden daher nur die Angebote an sich. Und das war schwierig genug, denn die Vertragsmodalitäten der einzelnen Anbieter sind teilweise kompliziert und schwer zu verstehen. Nur mit telefonischen Rückfragen gelang es den Redakteuren, Licht ins Dunkle zu bringen. Es wurden Verträge angeboten, bei denen es sich um eine Miete oder um einen Mietkauf handelt, die eine Laufzeit von mindestens 36 Monaten vorsehen, die eine Mindestabnahme erfordern oder bei denen zusätzliche Serviceverträge unabdingbar sind. Ob beispielsweise die Wasserfilterkosten oder der Festwasseranschluss im Preis enthalten sind, konnte man einigen Angeboten meist noch nicht einmal entnehmen. Ebenfalls nicht so einfach war es in vielen Fällen herauszufinden, ob, und wenn, welche Verbrauchsmaterialien inklusive sind. Die Angaben in Bezug auf die Verbrauchsmaterialien wie etwa Kaffee, Milch- und Kakaopulver sind oftmals abenteuerlich. Vertraglich festgelegte Mindestabnahmen sind ebenfalls zu beachten. Tchibo beispielsweise verordnet seinen Kunden im Coffee-Compact-Angebot zusätzlich zum monatlichen Preis einen jährlichen Mindestumsatz von 90 Kilogramm Kaffee und einen 400-Euro-Kauf an beispielsweise Milchpulver oder Kakao. Da kommen auf den Preis von 1.188 Euro im Jahr (bei einem 36-Monats-Vertrag) schnell mal eben noch Kosten von 1.678 Euro per anno dazu. Einzig und allein coffee at work hat in seinem Angebot alle anfallenden Kosten von vornherein integriert. Und das vom Wasserfilter bis zum Service – von der Kaffeebohne über Milch- und Kakaotopping bis zum Festwasseranschluss – alles ist im Preis von 360 Euro (kalkuliert bei Abnahmen von 1.000 Bezügen) enthalten. Darüber hinaus gibt es bei coffee at work keinerlei Laufzeiten – eigentlich die ideale Möglichkeit, um diesen Service grundsätzlich einmal auszuprobieren.

TECHNISCHER SERVICE

Aber nicht nur das: coffee at work ist der einzige Anbieter im Mystery Shopping, der eine in den Kosten enthaltene monatliche Kontrolle seiner Automaten vorsieht. Bedarfsgerecht nach 1.000 Portionen kommt ein Mitarbeiter des Wittener
Kaffeeexperten vorbei und führt einen Hygienecheck durch. Alles hat seinen Preis – auch die Tasse Kaffee. Aber eben mal schnell auszurechnen, wie hoch der Preis pro Tasse ist, erweist sich aufgrund der Angaben der Anbieter als kaum möglich. Auch hier ist coffee at work seinen Mitbewerben eine Nasenlänge voraus. Mal abgesehen davon, ob der Preis zu hoch oder zu niedrig ist, lässt er sich ganz einfach ausrechnen und so kommt der Anwender schnell zu dem Ergebnis von 36 Cent pro Portion. Unschlagbar in Sachen Kosten ist Dallmayr mit seinem City-Vending-Angebot. Im monatlichen Preis von 232 Euro sind 10 x 1.000 Gramm Kaffee enthalten, die rund 1.200 Portionen ergeben. Der Preis pro Portion: 19 Cent. Allerdings sind die weiteren Verbrauchsmaterialien wie Topping-Pulver, Cappuccino und Cappuccino Noisette noch nicht darin enthalten. Also auch hier ist letztendlich erst einmal Kaffeesatzlesen in Bezug auf die genauen Kosten angesagt. CUP&CINO stellt laut Angebot für 139 Euro im Monat ausschließlich den Kaffeeautomaten zur Verfügung. Das sogenannte Technik-Sorglos-Paket (TSP) kostet bei Bedarf dann noch einmal 49 Euro im Monat. Der Kunde hat zudem die Möglichkeit, die Kaffeeportionen über eine Kaffeestaffel abzurechnen. Bei 1.000 Tassen pro Monat nimmt das Unternehmen 0,26 Euro (bei Kauf 0,22 Euro) pro Tasse (Staffel 900 bis 1.199 Portionen). Zusatzprodukte wie Milch und Kakao oder Tee sind noch nicht einmal in diesem Preis enthalten. Die genauen Kosten lassen sich also auch hier nur so ungefähr berechnen. CUP&CINO bietet übrigens auch den Kauf der Maschine für einen Sonderpreis von 5.990 Euro an: Hier muss der Anwender aufpassen, denn in diesem Fall muss er das Technik-Sorglos-Paket für unglaubliche 60 Monate abschließen. Der Preis: Noch einmal knapp 3.000 Euro, die zum Kaufpreis addiert werden müssen. Unseren Tabellen auf den vorherigen Seiten kann man sehr genau entnehmen, was in den unterschiedlichen Verträgen enthalten ist und was eben nicht. Um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Kosten pro Monat entstehen, hat FACTS hochgerechnet (siehe Tabelle und Kasten „FACTS hat gerechnet“). Für Kunden, die ausschließlich über den Preis einkaufen, ist danach sicherlich das Angebot von Dallmayr und Tchibo interessant. Auch coffee at work spielt noch in der unteren Preisliga mit. Mit Abstand die teuersten Anbieter waren im FACTS-Mystery-Shopping die Anbieter CUP&CINO, coffee plus und Kaffee-Partner. Entscheiden würde sich letztendlich die Redaktion, aber auch das Partner-unternehmen, das das Mystery Shopping durchgeführt hat, für das Angebot vom Wittener Anbieter coffee at work. Der Grund: absolute Vertragsfreiheit, ein im Preis enthaltener monatlicher Hygiene-check und keinerlei versteckte Kosten.


Klaus Leifeld/Graziella Mimic

 

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Fotos: shutterstock

 

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