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MYSTERY Shopping Frankieren 2-3/2017

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Die Spreu vom Weizen trennen

Mit einem „Mystery Shopping“ hat FACTS getestet, was beim Kauf einer Frankiermaschine passiert, und dafür zehn Angebote bei Händlern eingeholt. Es zeigte sich, dass gar nicht unbedingt der Preis für das Gerät das Entscheidende ist, denn es gibt interessante Zusatzkosten, die gern hinter blumigen Begriffen versteckt werden oder gar nicht im Angebot auftauchen, obwohl sie überall berechnet werden.

Der Frankiermaschinenmarkt ist übersichtlich: Lediglich fünf Hersteller sind in Deutschland unterwegs. Da sie gewisse Standards erfüllen müssen – immerhin werden geldwerte „Briefmarken“ gedruckt –, bieten sie alle eine zuverlässige Qualität. So könnte man sich einfach eine Maschine beim erstbesten Händler kaufen und wird keine Enttäuschung erleben, sollte man meinen. FACTS hat sich das genauer angesehen und Angebote von Händlern eingeholt, um zu erfahren: Wie reagieren Händler auf eine Anfrage? Schlagen sie eine den Anforderungen des Kunden angemessene Frankiermaschine vor oder versuchen sie, eine für sie möglichst lukrative zu verkaufen? Welche Kosten kommen zusätzlich auf den Käufer zu – und wie transparent sind diese dargestellt?

FACTS UNDERCOVER

FACTS hat inkognito zwölf Händler angeschrieben, die alle fünf von der Deutschen Post zertifizierten Frankiermaschinenhersteller abdecken – Frama, Francotyp-Postalia, Neopost, Pitney Bowes und TeleFrank. Zwei Händler (von Frama und TeleFrank) haben seltsamerweise kein Angebot eingereicht; vielleicht liegt das daran, dass Händler bei diesen Herstellern Gebietsschutz genießen und die angeschriebenen schlicht nicht zuständig sind. Die zehn eingegangenen Angebote umfassten 15 Maschinen. Die Händler werden im Folgenden nicht namentlich genannt, sondern dem entsprechenden Hersteller zugeordnet – wie es in der Tabelle ab Seite 22 deutlich wird. „Inkognito“ heißt: Ein befreundetes Unternehmen hat anstelle von FACTS die Anfrage in seinem Namen am 21. Dezember 2016 abgeschickt; die Frist war am 13. Januar dieses Jahres. Die erste Antwort von einem Francotyp-Postalia-Händler traf noch am selben Tag ein, die letzte – ebenfalls Francotyp-Postalia – fünf Tage nach Ablauf der Frist.

KLEINE MASCHINE GESUCHT

In der Anfrage waren Anforderungen beschrieben, die auf eine kleine Maschine hindeuten: Das Unternehmen verschickt im Monat ungefähr 1.500 Briefe, wobei die Tagesauslastung ganz unterschiedlich ist: Mal gibt es keinen Brief, mal ein Mailing mit 250 Sendungen. Es kommen alle Standardformate vor, auch als Einschreiben, außerdem rund 40 Päckchen im Monat, für die eine Waage gewünscht ist. Es sollte möglich sein, das Porto über das Internet zu laden. Als weitere Anforderung nannte man die Möglichkeit, mindestens drei Kostenstellen einzurichten. Außerdem bat die Firma um eine genaue Aufstellung aller zu erwartenden Kosten sowie um ergänzendes Prospektmaterial. Schließlich hatte die Firma darum gebeten, ihr das Angebot mitsamt Anlagen per E-Mail zukommen zu lassen und von Anrufen abzusehen. An Letzteres hat sich kaum ein Händler gehalten; per Post gingen die Angebote von dreien ein – stilecht natürlich für Posttechniker. Ab circa zehn Briefen am Tag lohnt sich eine Frankiermaschine, sagt die Deutsche Post. Das ist bezüglich Komfort und Zeit ganz bestimmt der Fall, nicht aber monetär, denn das eine Prozent Rabatt auf das Porto, das die Deutsche Post für das Frankieren mit der Maschine gewährt, deckt nicht die Kosten, die durch die Maschine und ihre Nutzung entstehen. Eine Frankiermaschine kostet in der Anschaffung zumeist einen vierstelligen Betrag. Es kommen monatliche Gebühren hinzu, unter Umständen ein Servicevertrag, auf jeden Fall Kosten für die Frankiertinte und -streifen. Diese zusätzlichen Kosten waren in den Angeboten höchst unterschiedlich transparent dargestellt: Bei drei Händlern war die Erstausstattung an Verbrauchsmaterial explizit im Preis enthalten, vier nannten die Preise dafür – in den meisten Fällen gab es weder die eine noch die andere Angabe, so bei allen Neopost-Händlern.

GANZ VIEL SERVICE

Eine Frankiermaschine muss bei der Deutschen Post angemeldet werden. Diesen Prozess führt der Händler durch. Installation und Einweisung gibt es bei manchen Händlern, mal kostenlos, mal gegen einen Betrag in Höhe von 15 bis 350 Euro, manche machen dazu gar keine Angaben. Die günstigste „Installation“ ist eine betriebsfertige Lieferung. Höhere Kosten beinhalten die Installation vor Ort sowie eine Einweisung. Den kostenlosen Service boten je ein Händler von Neopost, Pitney Bowes und TeleFrank. Der Hersteller – nicht der Händler! – verlangt einen Grundbetrag für einen Vertrag. Er wird monatlich berechnet und beläuft sich auf zehn bis 20 Euro. Diese „Nutzungspauschale“ hat überall unterschiedliche Bezeichnungen – Credifonservice, Portophongebühr, Portoanwendergebühr, Dienstleistungsvertrag über die Portofernwertvorgabe oder Basic Vertrag. Kein Anbieter hat beschrieben, was sich hinter seiner schillernden Bezeichnung genau verbirgt; „monatliche Dienstleistungspauschale“ war die ausführlichste Erläuterung – beziehungsweise überhaupt eine. Fast alle Händler möchten einen Servicevertrag abschließen, der zwischen zehn und 38 Euro monatlich kostet. Pitney-Bowes-Händler 2 berechnet 32 Euro für seinen Wartungsvertrag mit An- und Abfahrt, Arbeitszeit, Ersatzteilen sowie Leihgerätestellung – vorbildlich. Der Frama-Händler hat einen Serviceprospekt beigelegt, in dem die unterschiedlichen Vertragsarten, die er anbietet, sehr transparent beschrieben sind. Ein Neopost-Händler deckt mit 29,90 Euro im Monat Ersatz- und Verschleißteile ab; Pitney-Bowes-Händler bieten einen Pickup-Service. Andere beschränken sich auf eine bloße Preisangabe ohne Erläuterung. Der Servicevertrag ist also zumeist undurchsichtig und offensichtlich kein Kriterium, das Angebote vergleichbar macht.

MATERIAL EGAL?

Ganz große Zurückhaltung zeigten fast alle Anbieter hinsichtlich der Kosten für Verbrauchsmaterialien, obwohl nach den Folgekosten gefragt wurde und der Preis für Tinte nicht unerheblich ist. Vier Händler bezifferten die Kosten für die Druckfarbe: 35,00 Euro bei TeleFrank (Thermoband); 89,90 Euro bei Pitney Bowes 3; 173,50 Euro bei Frama; 179,00 Euro bei Francotyp-Postalia 2. Für die Frankierstreifen berechnet der Frama-Händler 22,25 Euro, 44,50 Euro Pitney-Bowes-Händler 3 – ob das die doppelte Menge ist, geht aus den Angeboten nicht hervor, doch das ist immerhin ein Anhaltspunkt, den alle anderen Händler gar nicht gegeben haben, obwohl das angefragt war. In vier Angeboten waren Tinte (und Etiketten) im Lieferumfang enthalten: bei Frama und allen drei Pitney-Bowes-Händlern – löblich. Ein Streifengeber, der ein Etikett für den Aufdruck auf größeren Sendungen zuführt, war bei fast allen Maschinen angegeben. Tatsächlich wird bei den meisten kleinen Geräten der Frankierstreifen manuell zugeführt, was den Anforderungen aus der Anfrage jedoch genügt. Drei Kostenstellen für die Abrechnung des Portos waren angefragt. Jede angebotene Frankiermaschine verfügt über erheblich mehr, hier kommen bei keiner Maschine Bedenken auf. Auch, dass das Porto online geladen werden kann, ist bei allen Geräten Standard. Schließlich war noch eine Waage für Päckchen in der Anfrage gefordert, über die bis auf eine jede angebotene Maschine zumindest als Option verfügt, allerdings ist der Wägebereich mit einem Kilo bei manchen Maschinen zu gering; wie viel das Aufrüsten kostet, das bei vielen als Option angegeben war, hat wieder nur der transparente Frama-Händler angegeben – nämlich 200 Euro. Bei einer Maschine von Telefrank ist die Waage extern; das hat den Vorteil, dass beim Wiegen einer größeren Sendung das Display am Gerät nicht verdeckt wird. Das Werbeklischee ist etwas, das viele Unternehmen an Frankiermaschinen schätzen, da sie für einen professionellen Auftritt sonst die Umschläge bedrucken lassen würden. Bei dem Klischee handelt es sich um einen Stempel des Firmenlogos links neben dem Freimachungsvermerk. Ein solcher wird in der Regel in einer neuen Maschine eingerichtet und gehört zum Lieferumfang. Will man weitere, weil man sich die Maschine mit anderen Unternehmen teilt oder weil man je nach Saison an dieser Stelle unterschiedliche Grüße senden möchte, fallen dafür Kosten an, die mit
59 bis 205 Euro beziffert werden.

PREIS VS. PREIS

Sehr große Unterschiede zeigten sich beim Anschaffungspreis, selbst wenn verschiedene Hersteller ein und dasselbe Modell anboten. Die Preisspanne insgesamt reicht von 499 bis 3.369 Euro für Maschinen jeder Größe – wobei die kleine Telefrank-Maschine mit großem Abstand die günstigste war: Schon der zweitgünstigste Preis lag im vierstelligen Bereich. Auch beim selben Produkt gibt es Differenzen: Für eine IN-360 von Neopost verlangte ein Händler 1.600 und ein anderer 1.999 Euro; bei der DM400C von Pitney Bowes waren es 2.290, 2.590 und 2.990 Euro. Interessante Alternativen nannten manche, obwohl danach nicht gefragt worden war: Händler von Neopost und Pitney Bowes boten wahlweise statt Kauf auch Leasing an. Außerdem hatten die Händler von Pitney Bowes alternativ manches Modell erheblich günstiger als generalüberholtes Gebrauchtmodell verfügbar; „refurbished“ nennen sie das, und nur einer erläuterte, was damit gemeint ist: „vom Hersteller wiederaufbereitetes Gebrauchtsystem mit einem Jahr Garantie“. Ein Neopost-Händler bot wahlweise ein Vorführgerät mit rund 30 Prozent Preisnachlass – auch nicht schlecht. Zwei Händler – Frama und Neopost 1 – boten an, ein Altgerät in Zahlung zu nehmen, obwohl die Anfrage nicht darauf schließen ließ, dass der potenzielle Kunde bereits eine Maschine hat. Die Inzahlungnahme könnte eine interessante Option sein, doch Neopost-Händler 1 hat darauf sein „Sonderangebot“ aufgebaut, indem er den Rücknahmepreis für das Altgerät vom Listenpreis des Neugeräts einfach abgezogen hat – dadurch kommt sein Angebot allerdings eher unseriös als Mogelpackung daher.

XXL – WARUM BLOSS?

Noch befremdlicher aber waren die viel zu großen Maschinen: Diese verarbeiten das Monatsaufkommen des Unternehmens binnen Minuten. Mitunter ist sogar eine dynamische Waage integriert, die automatisch eingezogene Briefe – keine Päckchen! – misst und wiegt, um gemischte Post korrekt zu frankieren. Bei hunderten Stück Mischpost jeden Tag mag das hilfreich sein, aber bei einem Dutzend ist das so wenig sinnvoll wie bei einem einheitlichen Mailing von 250 Stück – als Angebot auf diese konkrete Anfrage ist so etwas also viel zu groß und damit überteuert. Mehrere Händler boten Maschinen in verschiedenen Größen an, darunter eben auch eine in XXL, doch die Händler Francotyp-Postalia 2 sowie Pitney Bowes 2 und 3 boten ausschließlich solche großen – dort stempelt FACTS das Urteil „uninteressant“, doch „haarsträubend“ träfe diese Angebote genauer. Am Ende steht man vor der Qual der Wahl. Manche Angebote sind so transparent aufgemacht, dass man versucht ist, genau diesen Händlern das notwendige Vertrauen zu schenken. Umgekehrt erscheinen andere Angebote zwar dem Bedarf angemessen, kommen aber sehr knapp und unprofessionell daher. Mehrere fallen eindeutig aus der Wahl heraus, weil die Maschine viel zu groß für den Bedarf ist: Da fühlt man sich schon fast über den Tisch gezogen.

 

VERGLEICHEN LOHNT SICH!

Nahezu alle Händler fassten zu ihrem Angebot telefonisch nach, obwohl in der Anfrage der ausdrückliche Wunsch geäußert worden war, davon abzusehen. Manch einer wollte „nachbessern“: entweder im Preis runtergehen oder eine andere Frankiermaschine anbieten. Daraus lässt sich schließen, dass mit dem Angebot nicht das letzte Wort gesprochen ist. Die Vielfalt in den Angeboten, wie sie auch in der Tabelle (siehe PDF Download) dargestellt ist, zeigt ganz deutlich: Es lohnt sich, mehrere Angebote einzuholen und miteinander zu vergleichen! „Die Augen halte zu und deine Beutel offen! Ein solcher Kunde ist's auf den die Krämer hoffen“, warnte der Schriftsteller Friedrich Rückert. Die FACTS-Redaktion empfiehlt in diesem Sinne, mehrere interessante Angebote in die engere Wahl zu ziehen und in einer zweiten Runde die nominierten Händler zu befragen – insbesondere hinsichtlich der Zusatzkosten, die auf jeden Fall beachtlich sind und die sich allein aus den Angeboten heraus nicht vergleichen lassen. Nur so bekommt man eine Frankiermaschine zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, die den eigenen Bedürfnissen entspricht.

Anja Knies

 

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Fotos: shutterstock(3)

 

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