Aktuelle Ausgabe

MYSTERY Shopping Büromöbel 10/2016

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Der Preis ist heiß  – aber er ist nicht alles

In den letzten Mystery Shoppings, die FACTS durchgeführt hat, haben die Redakteure anhand bestimmter festgelegter Kriterien Händler und Hersteller, Produkte oder Leistungen analysiert und bewertet. Dieses Mystery Shopping ist anders, denn hier wird klar, nach welchen Aspekten ein Kunde selbst seine Büroeinrichtung auswählt. Eines sei vorweggenommen: Das günstigste Angebot gewinnt nicht immer ...

 

Preis, Qualität, Design, Wertbeständigkeit, Marke – bei dem Kauf einer komplett neuen Büroeinrichtung können viele Faktoren entscheidend sein. So spielt es in erster Linie eine Rolle festzustellen, zu welchem Zweck die Möbel angeschafft werden sollen: Müssen sie repräsentativ und ästhetisch ansprechend sein, da beispielsweise Geschäftskunden oder Mandanten empfangen werden sollen? Oder soll das Büro lediglich zweckmäßig eingerichtet sein, ohne besonderes Augenmerk auf das Design? Welchen Preis ist man bereit zu zahlen? Und wie viel Wert wird auf den Service – vom Angebot über Beratung bis hin zur Möglichkeit, die Möbel vorab zu testen – gelegt?

REALES KUNDENPROJEKT

Die FACTS-Redaktion überprüfte einen solchen Möbelkauf anhand eines realen Kundenprojekts: Eine Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei suchte für ein Einzelbüro eines Wirtschaftsprüfers und einen Besprechungsraum eine komplett neue Einrichtung. Die Ausschreibung und persönliche Auswertung der Angebote überließ FACTS allein der Kanzlei und sprach im Anschluss mit dem Rechtsanwalt über die Beweggründe seiner Wahl für eines der Angebote. Das Endergebnis bezieht sich auf die Entscheidung des Kunden und nicht auf die Meinung von FACTS. Insgesamt versendete die Kanzlei drei Anfragen an drei unterschiedliche Hersteller: die Dauphin HumanDesign Group, die Nowy Styl Group und Assmann Büromöbel. Von allen kam jeweils von einem Händler aus der Nähe der Kanzlei binnen weniger Tage und absolut fristgerecht ein entsprechendes Angebot auf die folgenden Anforderungen: Für den Konferenzraum war ein weißer Besprechungstisch mit acht passenden Besprechungsstühlen mit Lederbezug gefordert. Das Büro sollte mit einem weißen, elektromotorisch höhenverstellbaren Schreibtisch, einem Rollcontainer, einem Sideboard und einem runden Besprechungstisch mit vier passenden Besprechungsstühlen ausgestattet werden.

UMFASSENDE ANGEBOTE

Allein das Angebot betreffend stach zunächst der Assmann-Händler positiv hervor, der ein ansprechendes Angebot lieferte: Es beinhaltete nicht nur Prospekte als erstes Anschauungsmaterial, sondern ebenso 3D-Renderings des eingerichteten Büros und des Besprechungsraums, ohne dass diese zuvor explizit angefragt wurden. Zusätzlich gab er Alternativvorschläge für die geforderten Möbel, die zwar leicht von den Anforderungen abwichen (beispielsweise Netzrücken statt Lederbezug bei den Besprechungsstühlen), dafür aber etwas günstiger waren. Der Dauphin/Bosse-Händler bot entsprechende Renderings sowie Alternativen zwar nicht direkt mit dem ersten Angebot an, allerdings nach einem ersten persönlichen Gespräch. Anschauungsmaterial gab es hier ebenso, genauso wie vom Nowy-Styl-Händler, sodass die Kanzlei eine sehr gute Vorstellung der Möblierung bekommen konnte. Alle drei Händler haben dem Anwalt vorgeschlagen, sich die offerierten Möbel im Showroom anzuschauen und von Bosse und Assmann gab es im Rahmen des Angebots zusätzlich die Möglichkeit, bei Bedarf eine persönliche Beratung vor Ort in der Kanzlei durchzuführen. Ob es bei allen drei Händlern möglich ist, eine Musterkollektion zum Testen zu erhalten sowie die gewünschten Stühle Probe zu sitzen, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden – angeboten hat es jedenfalls nur der Bosse-Händler; direkt von sich aus, ohne vorherige Nachfrage aus der Kanzlei. Wie aus der Tabelle (Seite 24) ersichtlich wird, ist allein anhand des Gesamt-Paketpreises , der jeweils von den Händlern abgegeben wurde, die Ausstattung mit Nowy Styl-Möbeln mit einem Preis von 4.514,50 Euro am günstigsten. Fast doppelt so viel kosten die Assmann-Möbel in der geforderten Ausstattung mit 8.285,17 Euro. Am höchsten ist das Angebot des Dauphin-Händlers, das mit 13.162,38 Euro zu Buche schlägt. Die Preise sind Nettobeträge und setzen sich teilweise aus extra für dieses Angebot rabattierten Produkten zusammen: So hat der Nowy-Styl-Händler auf beide Besprechungstische, den Rollcontainer und das Sideboard je einen Rabatt von 50 Prozent eingeräumt. Der Bosse-Händler gewährte 40 Prozent auf den gesamten Endbetrag und bot dem Anwalt einen Paketpreis an. Der Händler war mit diesem zugegebenermaßen sehr hohen Rabatt sehr großzügig – Kunden sollten grundsätzlich nicht damit rechnen, solch hohe Rabatte zu erhalten. Aber der Händler hat sich hier scheinbar einen Referenzkunden versprochen, der laut Focus-Money zu den 50 besten Steuerberatungsgesellschaften Deutschlands mit mehreren Standorten gehört. Für Kunden, die allein auf den Preis achten, wäre hier das Angebot von Nowy Styl sicherlich das interessanteste: Alle Anforderungen wurden mit geringen Abstrichen – so wurde kein Chromfuß beim Schreibtisch und beim runden Besprechungstisch angeboten, obwohl mit der Ausschreibung gewünscht – erfüllt und der vergleichsweise geringe Preis von etwas mehr als 4.500 Euro (netto) für eine komplette Büro- und Konferenzraumausstattung ist sicherlich nicht zu verachten.

 

FACTS-TIPP
Wie hier ersichtlich ist, lohnt es sich immer, eine Ausschreibung unter mehreren Herstellern beziehungsweise Händlern zu machen. Listenpreise sind teilweise stark verhandelbar, oft gibt es auf einzelne Produkte oder sogar auf die gesamte Rechnung Rabatte – entweder auf Nachfrage oder der Händler gibt sie direkt von sich aus.

Doch wie kommen die teils enormen Preisunterschiede überhaupt zustande? Natürlich spielt die Qualität und Flexibilität der Produkte eine wesentliche Rolle: Welche Materialien werden eingesetzt, wie und wo wird produziert und wie variabel einsetzbar ist das Mobiliar? Dem Kunden selbst fällt es schwerer als dem Fachmann, entscheidende Qualitätsunterschiede anhand der Angebote und eines kurzen Blicks in den Showroom des Fachhändlers zu erkennen. Deshalb entscheidet er oft aus einem Gefühl heraus und orientiert sich an Kriterien wie der Optik oder dem „Image“ der Marke im Markt und vielleicht auch daran, welche Referenzen der Hersteller aufweisen kann. Trotzdem möchte FACTS an dieser Stelle einen kleinen exemplarischen Vergleich beziehungsweise eine Bewertung für die angebotenen Möbel(programme) und Stühle machen, um zu zeigen, dass die Preisunterschiede auch zu einem gewissen Teil mit der Qualität beziehungsweise dem Nutzen der Produkte zusammenhängen, aber auch auf andere Kriterien, wie den Produktionsort, zurückzuführen sind. Das Programm E-10 von Nowy Styl eignet sich besonders als preiswertes Einsteigerprogramm für Privatkunden oder kleinere Firmen. Auch greifen Start-ups, die zu Beginn nicht viel investieren können, zu günstigeren Produkten, die aber trotzdem eine ansprechende Qualität für dieses Preissegment bieten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt für diese Zwecke. Doch es gibt innerhalb der Produktpalette von Nowy Styl auch Serien mit weitaus höherem Qualitätsanspruch, zumal die Nowy Styl Group mehrere Produktmarken mit unterschiedlichen Büromöbelprogrammen und Sitzlösungen vereint: Nowy Styl, BN Office Solution. Durch die Tatsache, dass mit Grammer Office und Rohde & Grahl zwei deutsche und mit Sitag ein schweizer Hersteller übernommen wurde, und die Nowy Styl Group noch immer in Deutschland und der Schweiz produzieren lässt, gehören auch sehr hochwertige Produkte zum Portfolio, die sich speziell für anspruchsvolle Zielgruppen wie etwa Kanzleien eignen. Und auch, wenn Nowy Styl sowohl Sitzmöbel als auch Büromöbel anbietet, ist der Anteil an Sitzlösungen weitaus größer als an beispielsweise Arbeitsplatz- und Konferenzlösungen. Made in Germany ist das Möbelprogramm von der Dauphin HumanDesign Group beziehungsweise deren Marke Bosse, das nicht nur qualitativ mit weiteren großen Herstellern wie beispielsweise USM mithalten kann, sondern diese in Sachen Variabilität aufgrund der hohen Vielzahl an Grundanbau- oder Aufbaumodulen sowie einem Materialmix teilweise sogar übertrifft. Der Einsatz hochwertiger Materialien und eine qualitativ hochwertige Produktion rechtfertigen durchaus einen höheren Preis. Neben der Marke Dauphin befinden sich vier weitere Marken unter dem Dach der Dauphin HumanDesign Group: Trendoffice, Züco, Bosse und Dauphin Home, die zusammengenommen Büros, Lounges, gewerbliche, industrielle, öffentliche oder sogar private Bereiche komplett ausstatten können. GUTER DURCHSCHNITT Sowohl qualitativ als auch preislich liegt das Assmann-Angebot genau zwischen Nowy Styl und Dauphin. Der „mittlere“ Preis ergibt sich unter anderem aus der einfacheren Konstruktion der Möbel, die beispielsweise keinen umlaufenden Rahmen aus verchromten Stahlrohren haben, wie die Bosse-Möbel, die dieses Designmerkmal aufweisen. Kunden finden bei diesem Hersteller lediglich die Marke Assmann Büromöbel, die für funktionelle und designorientierte Schreibtisch- und Stauraumsysteme steht. Im Gegensatz zu Nowy Styl und Dauphin hat Assmann keine Sitzlösungen in seinem Portfolio und muss sich in diesem Bereich mit anderen Herstellern behelfen. Die von allen drei Händlern angebotenen Besucherstühle weisen allesamt eine gute Qualität auf. Obwohl alle Freischwinger sind, unterscheiden sie sich doch etwas in der Optik: Die Armlehnen sind beim „Anteo“ (KÖHL über Assmann) und beim „Tiger Up“ (Grammer Office über Nowy Styl) in das Gestell integriert, anders beim von Martin Ballendat designten „LACINTA“ (Züco über Dauphin), der auch ohne Armlehnen erhältlich ist. Bei Letzterem sind Sitz und Rückenlehne nicht von-einander getrennt wie bei den beiden anderen Modellen. Ob man lieber ein Rechteckrohr aus Stahl oder ein Stahlrundrohr bevorzugt, muss der Kunde selbst für sich entscheiden. Mit 14 Kilogramm ist der „Tiger Up Side“ der schwerste der drei Stühle (LACINTA: 11 Kilogramm, Anteo: 10,1 Kilogramm). Alle Stühle bieten einen guten Komfort. Und dennoch fällt Assmann mit seinem Angebot etwas aus dem Rahmen: Wie erwähnt, konnte Assmann als einziger der drei Anbieter hier nicht aus seinem eigenen Portfolio schöpfen, hat aber mit dem Anteo von KÖHL einen qualitativ hochwertigen und optisch ansprechenden Konferenzstuhl angeboten. Nach Abwägen aller für sie relevanten Entscheidungskriterien hat sich die Kanzlei für das teuerste vorliegende Angebot von Bosse entschieden. Der Preis war also nicht ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Was hat den Kunden also letztendlich an Bosse überzeugt?

ENTSCHEIDUNG IST GEFALLEN

Neben dem klassischen Design der Möbel haben der Kanzlei die auf den ersten Blick ersichtliche hochwertige Verarbeitung der Tische, Schränke und Stühle sowie die großen Individualisierungsmöglichkeiten, die die modularen Schränke bieten, sehr zugesagt. Schließlich können sich die Anforderungen an eine Möblierung schnell ändern: Möbel, die flexibel sind und sich auch Jahre nach dem Erwerb anpassen und verändern lassen und dabei trotzdem ein einheitliches Erscheinungsbild abgeben, sind dann im Vorteil. Die Möbel lassen sich aus diesen beiden Gründen – hochwertige Verarbeitung und Variabilität – über Jahrzehnte hinweg einsetzen, ohne ihren Wert zu verlieren. Außerdem sah die Kanzlei die Tatsache, dass Bosse eine etablierte Marke mit Designprodukten ist, als Kaufkriterium. Dadurch, dass die Möbel in einem Konferenzraum sowie in einem Büro stehen sollten, in denen jeweils auch Mandanten empfangen werden, legte die Kanzlei einen großen Wert auf eine hochwertige Anmutung und einen Wohlfühlfaktor, den die Anwälte und Steuerberater persönlich bei Bosse gefunden haben. Der Kunde selbst hat es folgendermaßen formuliert: „Wir möchten uns persönlich in unseren Möbeln wiedererkennen. Dabei sind sowohl Optik als auch Haptik wichtig. Nur in einer angenehmen Umgebung lassen sich gute Arbeitsergebnisse erzielen.“ Und wer großen Wert auf repräsentative Möbel mit besonderen Details, auf Design und auf Wertbeständigkeit legt, darf eben nicht nur nach dem Preis schauen.


FAZIT
Legt der Kunde Wert auf ein namhaftes Design und vor allem eine qualitativ hochwertige Ausstattung, die lange hält und auch nach Jahren einsatzfähig bleibt – oder ist allein ein günstiger Preis für ihn entscheidend? Je nachdem, wer der Kunde ist und wie die jeweilige Anforderung aussieht, kann das Ergebnis anders ausfallen als in dem vorliegenden Fall. Für die Kanzlei war eindeutig Qualität entscheidend – sodass die Anwälte und Wirtschaftsprüfer ohne Weiteres dazu bereit waren, den höheren Preis dafür zu zahlen.

 

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Fotos: shutterstock(1)

 

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