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IN EIGENER SACHE FACTS 10/2018

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IN EIGENER SACHE FACTS 10/2018

Don’t worry, be happy?

Eigentlich können wir in unserer Branche doch zufrieden sein. Immer noch scheint es einen unerschöpflichen Bedarf an Büromöbeln zu geben und die wichtigen Marken des Markts haben sich trotz aller Krisen der vergangenen Jahre gehalten und sogar teilweise besser aufgestellt. Erinnern wir uns bitte an die Zeiten, als die Orgatec ernsthaft infrage stand und wir befürchteten, die Branche würde sich zerstreuen. 

Doch jetzt gibt es auf der Orgatec mehr Aussteller denn je und fröhlich werden weiterhin die Millionen in teure Messestände, Lightshows und spendable Caterings hineingepulvert. Und auch die Büromöbelhändler können recht froh sein, dass die Zustände der vergleichsweise ruinösen Wohnmöbelbranche nicht zu ihnen übergeschwappt sind. Denn dort zerfleischen gerade die dreisten Einkäufer der sogenannten Fläche (Lutz, Begros und Konsorten) die fleißigen Produzentenmarken und ziehen den Anbietern bis aufs Letzte die Schuhe aus.

Dabei könnte der Wohnfachhandel weit einfacher als die Objektleute beispielsweise das Thema Home-Office voranbringen. Aber auch das scheint dort keine wirklichen Zuwächse zu bringen. Beim Home-Office wird sich wohl eher der Internethandel durchsetzen, der unaufhaltsam dem Fachhandel das Leben schwerer und schwerer macht. Wie es manche Möbelmarken schaffen, trotz völlig unterschiedlicher Kalkulationsansätze über den Fachhandel und das Internet gleichzeitig zu vertreiben, habe ich offen gesagt bis heute nicht verstanden. 

Ballendat


 

 

 

 

  

Martin Ballendat, Designer

 

 

In meiner relativ positiven wirtschaftlichen Einschätzung des Objektbereichs werden mir aber sicherlich auch viele Büromöbelhersteller und -anbieter widersprechen wollen und den ebenfalls ruinösen Rabattwucher bei Bürostuhl- oder Büroarbeitsplatzausschreibungen beklagen. Es stimmt. Da wird absolut kein Geld mehr verdient. Aber seien wir doch ehrlich: Wir haben es längst verstanden, den Zeiger umzulegen, und fokussieren heute auf Open-Space-Landschaften, softige Kommunikationszonen und ergonomische höhenverstellbare Arbeitsplätze. Ja, wer hätte das gedacht, dass die ehemals als unbezahlbar geltenden elektrisch verstellbaren Tische nun bald wohl zur Standardausstattung gehören werden, am besten per Handy steuerbar oder auf virtuellen Zuruf abgerichtet. 

Sitzen, stehen, sitzen, stehen: Das ist ein echtes Thema. Und das mit dem Profit, das gelingt immer da am besten, wo‘ s wohnlich und gemütlich werden soll. Also Softseating, Softmeeting, Softworking … Denn da können wir volumige Körper und Wände abpolstern, die optisch viel hergeben, aber eigentlich gar nicht so viel kosten und vor allem das Werkzeugkostenbudget nicht so arg strapazieren. Nicht umsonst zeigte selbst die bürostuhl-verliebte NeoCon in Chicago statt Hightech-Präsentationen von Bürostuhlteilebaukästen plötzlich überall stofflich betonte Sitzlandschaften für relaxte Meetings und kreative Regeneration. Cocooning ist hier das Zauberwort. Denn gerade wenn es im derzeit zumeist offenen Büroraumbereich laut, eng, grell und eher busy zugeht, bieten eingenischte, lärmgedämpfte Sitzlandschaften einen wohligen entspannenden Kontrast.

Die Partys auf der Orgatec können also beginnen; bei Dauphin, bei Interstuhl, bei Sedus, bei Vitra und all den anderen … So, als wäre eigentlich gar nichts Schlimmes in den vergangenen Jahren passiert … Und so, als würde das alles immer schön so weitergehen. 

Oder vielleicht auch nicht?

Herzlichst
Ihr Designer Martin Ballendat 

 

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Foto: shutterstock

 

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