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OUT OF OFFICE Hotel Amtsgericht Oppenheim 06/2018

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Eine schöne Spinnerei

Ein neues Hotel ist in einem geschichtsträchtigen Gebäude entstanden. Seine Restaurierung umrankt eine interessante und liebenswerte Geschichte. FACTS war im Alten Amtsgericht Oppenheim zu Gast.

 

 

Oppenheim, die Stadt der Gotik und des Weins, ist sehr alt: Schon im 8. Jahrhundert wurde sie erwähnt, im 11. Jahrhundert erhielt sie die Marktrechte, die ihr als belebtes Handelszentrum durchaus zustanden. Nicht ganz so alt ist das ehrwürdige Amtsgerichtsgebäude, doch mehr als 100 Jahre zählt es auch. Im Jahr 1903 wurde es in Betrieb genommen und behielt seine namensgebende Funktion bis 1972. Anschließend beherbergte es für einige Jahre eine Naturschutzbehörde, stand danach zehn Jahre lang leer und ging schließlich in Privatbesitz über. „Wir haben spontan unser Herz an dieses Haus gehängt“, erzählt Andrea Weisrock vergnügt, die 2015 das große Amtsgerichtsgebäude gemeinsam mit ihrem Vater gekauft hat. „Wir wussten zwar noch nicht, wofür wir es nutzen könnten, doch unser Unternehmen war gesund und wir konnten uns so eine Spinnerei leisten.“ Vater und Tochter sind Zimmermeister, wie es seit 300 Jahren Familientradition ist. „Ich hoffe sehr, dass mein Sohn diese Tradition fortsetzt“, sagt Andrea Weisrock.

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LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK: Andrea Weisrock fühlt sich mit dem Gebäude innig verbunden und hat keine Kosten und Mühen gescheut, um es stilvoll zu restaurieren und einzurichten.


Dann reifte die Idee, das ehemalige Amtsgericht in ein Hotel mit Eventlocation umzubauen. Die Eröffnung fand im März 2018 statt. Das ging durchaus schnell, wenn man bedenkt, dass das Gebäude mit dem Übergang in Privatbesitz unter Denkmalschutz gestellt wurde. Doch für die Zusammenarbeit mit der Behörde hält Weisrock nur lobende Worte bereit: „Eigentlich habe ich noch viel mehr Wert auf Originalität gelegt als der Denkmalschutzbeauftragte. Er war froh, dass wir das Gebäude wieder der Öffentlichkeit zuführen wollten, und meinte: ‚Was nützt mir ein Denkmal, das keiner sieht?‘“ Die Substanz des Hauses war in erstaunlich guter Verfssung und der ursprüngliche Zustand recht unberührt. „Wahrscheinlich war es gut, dass die Naturschutzbehörde hier eingezogen ist“, vermutet die „Nachinhaberin“. „In den 1970er Jahren wurde viel gebaut und verschandelt. Naturschutz hatte damals überhaupt keine Lobby – und so fehlten auch der Behörde die Mittel, um das Gebäude auszuschlachten.“ Heutzutage spielt der Erhalt von Kulturgütern eine erheblich größere Rolle, und so haben auch die Weisrocks ihr Traumhaus stilvoll restauriert. Die Betten sind sogar Marke Eigenbau: „Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Betten nur 1,80 Meter lang, daher kamen Antiquitäten nicht infrage. Doch sollten die Betten so aussehen wie damals. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als selbst Massivholzbetten zu bauen.“ So entstanden 14 Doppelbetten für die individuell eingerichteten Zimmer, außerdem im Familienzimmer für die Kinder gemütliche Kojen in ehemaligen Wandschränken. Besonders luxuriös wurde die Hochzeitssuite in der Mansarde. Diese Hochzeitssuite gibt es nicht von ungefähr: Der Gerichtssaal steht jetzt für standesamtliche Trauungen bereit. Das Brautpaar und der Standesbeamte sitzen dabei auf Stühlen, die früher den Richtern vorbehalten waren. Und nicht nur für Hochzeitsfeiern sind Räumlichkeiten vorhanden, die Kulisse passt zu fast jeder Art von Festivitäten. Auch für Tagungen, Kongresse und andere Geschäftsveranstaltungen können die großen Räume des Amtsgerichts gemietet werden.


Alle Räume sind mit moderner Technik wie computergesteuerter Beleuchtung und WLAN ausgestattet, ohne dass davon etwas das ehrwürdige Bild stört. Das war wirklich das größte Stück Arbeit, denn statt der avisierten drei Monate haben die Elektriker mehr als anderthalb Jahre Zeit benötigt, bis alle Kabel und Anschlüsse unter Dach und Fach waren. Andrea Weisrock blickt heute amüsiert auf dieses Ärgernis zurück, denn es ging den Handwerkern wohl wie ihr selbst: „Die haben sich einfach nicht vorstellen können, wie viel Arbeit da auf sie zukommt.“

Anja Knies

 

FAZIT

Das Ambiente im Alten Amtsgericht Oppenheim ist fantastisch, die Atmosphäre familiär, das Personal sehr zuvorkommend. Positiv fiel die Flasche Wein aus der Region auf, die als Beigabe im Zimmer bereitstand. Das Frühstück war ein Genuss. Das Hotel erhält von FACTS in jeder Hinsicht die volle Punktzahl. Außerdem erreichen das FACTS-Team immer wieder Anfragen nach Räumen für Geschäftsveranstaltungen. Bis zu einer Anzahl von 100 Teilnehmern sind die Räume des Alten Amtsgerichts dafür absolut empfehlenswert.

Beurteilung

Tipp

Altes Amtsgericht Oppenheim

Andrea Weisrock 
Amtsgerichtsplatz 1 
55276 Oppenheim 
Telefon: 06133-5724963 
Mobil: 0171-6261015 
www.altesamtsgerichtoppenheim.de

 

INFO

Einen Besuch wert

Die Altstadt von Oppenheim ist mit ihren Gässchen und der gotischen Katherinenkathedrale selbst schon eine Sehenswürdigkeit. Das Deutsche Weinbaumuseum, die Burgruine Landskrone, das Weinfest und die Theaterfestspiele laden zum Besuch ein.

Das mittelalterliche Kellerlabyrinth wurde im 14. Jahrhundert als Wein- und Warenlager innerhalb der Handelsstadt geschaffen, weil es außerhalb keine Sicherheit gab. Von den 40 Kilometern unterirdischen Gängen und Räumen sind zwei Abschnitte zum Museum hergerichtet worden.

Direkt beim Ort startet der WeinErlebnisWeg Oppenheimer Krötenbrunnen mit zahlreichen Erlebnisstationen, benannt nach dem lieblichen Regionalwein.

Oppenheim liegt etwa auf halber Strecke des RheinTerrassenWegs, der auf 60 Kilometern Wanderweg Mainz und Worms miteinander verbindet.

 


 Fotos: Hotel Amtsgericht Oppenheim

 
 
 
 

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