Aktuelle Ausgabe

Mystery-Shopping MFP-Toner 9/2015

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Aufgepasst!

Gerade im Bereich von Rechtsanwaltskanzleien und Steuerbüros hat nicht jedes Unternehmen in Sachen Drucken und Kopieren mit dem Hersteller oder dem entsprechenden Fachhandelspartner einen „All-inclusive-Seitenpreis-Vertrag“ abgeschlossen. Es kann teuer werden, wenn die laufenden Kosten für den Toner nicht verglichen werden und der Anwender „ahnungslos“ beim Händler oder in den Online-Shops der Hersteller kauft. FACTS hat in einem Mystery-Shopping die Probe aufs Exempel gemacht.

Bei Druck- und Multifunktionssystemen, die in der Anschaffung weniger als 1.000 Euro kosten, sind die Verbrauchsmaterialkosten oft extrem hoch. Da auch diese Systeme in der Lage sind, in Spitzenzeiten bis zu 40.000 Seiten und mehr im Monat zu produzieren, sollte man vor dem Kauf prüfen, auf was man sich hinsichtlich der Kosten pro Seite einlässt.
FACTS hat sich in einem Mystery-Shopping Farbmultifunktionssysteme der Hersteller Canon, Hewlett-Packard und Samsung in Bezug auf die Verbrauchsmaterialkosten einmal genauer angesehen. Im Einzelnen handelt es sich um die Produkte Canon i-SENSYS 8580cdw, HP Color LaserJet Pro MFP M476dw und Samsung CLX-6260FW.

EINFACHE BEDIENUNG

In technischer Hinsicht gehören die drei MFPs zur selben Leistungsklasse. Trotzdem hat FACTS Unterschiede bei den für die Redaktion wichtigen Features festgestellt. Das Samsung-System erscheint als das hochwertigste System: Das CLX-6260FW ist in der Anschaffung zwar am teuersten, bietet aber auch in vielen Bereichen die besten Features: Nicht nur, dass es mit dem schnellsten Druckwerk ausgestattet ist, sondern es verfügt, um eine möglichst einfache Bedienung zu gewährleisten, auch über das größte Touchdisplay (4,3 Zoll). Auch der HP-Laserjet ist mit einem Touchdisplay ausgestattet, jedoch ist es mit einer Größe von nur 3,5 Zoll viel kleiner. Canon stellt lediglich eine siebenzeilige LCD-Anzeige bereit. Wie sich die Systeme im Wesentlichen unterscheiden, lässt sich der Tabelle entnehmen.
Der Hauptfokus dieses Mystery-Shoppings lag aber nicht auf einem Vergleich technischer Daten, die bei allen Systemen ähnlich sind, sondern auf dem Vergleich der Preise für Verbrauchsmaterialien. Bei der Berechnung der Tonerreichweiten wurde die ISO/IEC-Norm 19798 zugrunde gelegt, die Transparenz beim Vergleich von Laserdruckern bietet (siehe Info-Kasten).  

RECHERCHE BEIM HÄNDLER

Die drei Systeme waren während der Durchführung des Mystery-Shoppings im Mai/Juni 2015 aktuell im Programm des jeweiligen Anbieters. Für den Vergleich der Seitenkosten hat FACTS nicht nur die Preise der Verbrauchsmaterialien aus den  Online-Shops der Hersteller zugrunde gelegt, sondern auch direkt bei den jeweiligen Fachhandelspartnern recherchiert. Wichtige Info: Da FACTS nur eine Stichprobe und keine komplette Markterhebung mit mehreren Händlern aus unterschiedlichen Regionen in Deutschland durchführte, ist dieser Vergleich nicht repräsentativ.

GROSSE UNTERSCHIEDE

Das Ergebnis war für die FACTS-Redaktion insofern interessant, als es erhebliche Unterschiede beim errechneten Seitenpreis gab und demzufolge auch bei den jährlichen Kosten. Das günstigste Angebot kam von Samsung. Die Preise für den Toner beim Samsung-Partner wie auch beim im Online-Store des koreanischen Hersteller selbst waren von Canon und Hewlett-Packard nicht zu schlagen.
Den teuersten Toner boten der Redaktion die Fachhändler von Canon und HP an. Sehr interessant, da beide Unternehmen den Toner über ihre eigenen Shops günstiger vertreiben. Kaum zu verstehen, denn sowohl Canon als auch HP wollen nach eigenen Angaben ihre Partner in Sachen Preise nicht ausbooten. Das ist aber ein anderes Thema, mit dem FACTS sich in einer der nächsten Ausgaben beschäftigen wird.

JÄHRLICHE KOSTEN

Auf den ersten Blick erscheinen die monatlichen Preisunterschiede nicht immens groß. Dass aber sehr schnell äußerst hohe Kosten zusammenkommen können, sollen einige Rechenbeispiele verdeutlichen. So hat FACTS unter anderem den jährlichen Seitenpreis bei einem Monatsvolumen von 2.000 Schwarzweiß- und 800 Farbseiten errechnet. Hier waren die Unterschiede dann schon deutlicher: Beim Samsung-Händler liegen die Kosten bei 1.302,24 Euro und beim HP-Händler bei sage und schreibe 2.416,80 Euro. Canon liegt sowohl beim Herstellerpreis als auch beim Preis des Fachhandels ähnlich hoch.
Den Vergleich auf die Spitze getrieben hat FACTS mit der letzten Hochrechnung, die zugegebenermaßen sehr theoretisch ist. Aber weil die Hersteller angeben, dass ihre MFPs in Spitzenzeiten bis zu 40.000 Seiten (Samsung sogar 60.000) produzieren, wollte FACTS es wissen und hat auch für diesen Fall nachgerechnet: Bei voller Volumenauslastung, vorausgesetzt die Systeme würden dieser Belastung überhaupt standhalten, würden für das Samsung-MFP innerhalb von nur drei Jahren Kosten in Höhe von 51.732 Euro (günstigstes Angebot) und beim Canon-Partner von 96.516 Euro (teuerstes Angebot) auflaufen. Die weiteren Preise lassen sich den Tabellen entnehmen.

AUF 3 JAHRE HOCHGERECHNET

Einen immensen Betrag von 44.784 Euro hätte der Anwender sparen können, wenn er sich bei der Anschaffung des MFPs Gedanken über die Kosten der Verbrauchsmaterialien gemacht hätte.  Also Augen auf bei der Wahl des optimalen Druckers oder MFPs.

 

Bewertung Beratung:

CANON: Gut ausgestattet. Sehr guter TEC-Wert. Leider kein Touchscreen zur Bedienung erhältlich.

HP: Durchschnittliche Ausstattung, sehr günstig in der Anschaffung.

SAMSUNG: Hardware: sehr gut ausgestattet. Etwas teurer in der Anschaffung, dafür gibt es aber ein schnelleres Druckerwerk.

 

bild1 okINFO Noch mehr sparen

Mit bestimmten Einstellungen in den Druckertreibern lassen sich die Reichweiten der Verbrauchsmaterialien um ein Vielfaches erhöhen. Toner lässt sich beispielsweise sparen, wenn der Entwurfsmodus eingeschaltet ist. Das Tonerauftrag ist dann zwar etwas schwächer – die Qualität reicht in den meisten Fällen aber völlig aus. Eine weitere Möglichkeit, zu sparen, ist, den Drucker oder das Multifunktionssystem in der Standardeinstellung auf den günstigeren S/W-Druck einzustellen. So werden alle Seiten monochrom ausgedruckt. Nur auf direkten Wunsch erhält der Anwender die um ein Vielfaches teurere Farbseite. Wer auch am Papier sparen möchte, bedruckt beide Seiten. Das geht, wenn der Drucker die Funktion Duplexdruck bietet.

 

INFO ISO/IEC 19798

Hierbei handelt es sich um eine Norm zur Messung der Toner-Reichweite von Farblaserdruckern. Sie dient dazu, die Verbrauchsmenge von Farblaserdruckern vergleichbar zu machen. Dazu werden fünf unterschiedliche Seiten mit schwarzweißen und bunten Texten und Grafiken fortlaufend gedruckt, bis der Toner aufgebraucht ist. Die Tests müssen unter bestimmten Umgebungsbedingungen (Temperatur und Feuchte) und mit festgelegten Standardeinstellungen des Druckers durchgeführt werden. Außerdem müssen mindestens neun Tonerkassetten getestet werden. Drei Kassetten müssen zudem mit drei unterschiedlichen Geräten desselben Modells getestet werden.

 

Christoph Schwantes / Klaus Leifeld

 
Foto: iStockphoto LP