Aktuelle Ausgabe

ARENA Bürodrehstühle 10/2015

Kategorie: Aktuelle Ausgabe

Kaum zu glauben!

Die FACTS-Redaktion hat die Bürodrehstühle „X-7C“ aus dem Hause XORA, der über die Discounterkette XXL verkauft wird, und den „Sitness Profi 200“ von Topstar in die Arena gestellt. Eigentlich hätte der Test schon nach ein paar Minuten beendet sein können, da der Discounterstuhl bereits die erste Sitzprobe nicht bestanden hat und samt Redakteur umgefallen ist.

Unternehmen profitieren davon, wenn sie die Arbeitsplätze der Mitarbeiter komfortabel ausstatten. Besonders bei der Beschaffung von Sitzmöbeln sollte man auf Ergonomie und Sitzkomfort achten, denn die meisten Arbeitnehmer sitzen täglich viele Stunden – egal, ob im Büro, im Auto oder zu Hause vor dem Fernseher. Ein guter und gesundheitsfördernder Bürodrehstuhl ist daher essenziell wichtig.
50 Prozent aller Deutschen leiden mindestens einmal im Jahr an Rückenschmerzen, 25 Prozent davon sogar chronisch. Die daraus resultierenden Krankheitstage richten einen enormen Schaden an. Das Problem: Viele Unternehmen wollen sich aus Unkenntnis mit dem Thema Sitzen nicht weiter auseinandersetzen und nehmen den durch die Krankmeldungen der Mitarbeiter entstehenden finanziellen Schaden einfach so hin. Ob es immer gleich ein Stuhl für weit über 1.000 Euro sein muss, der mit allen Raffinessen ausgestattet ist und darüber hinaus in Sachen Design brilliert, bleibt dahingestellt. Es gibt, wie die FACTS-Tests in der Vergangenheit zeigten, viele sehr gute Bürostühle, die preislich attraktiv sind und trotzdem ein Höchstmaß an Ergonomie bringen.

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TOPSTAR KLAR IM VORTEIL: Die „Billig“-Rollen des Fußkreuzes lassen beim XORA X-7C kein leichtgängiges Rollen des Stuhls zu.

GEFAHR AUS DEM DISCOUNTER

Wie gefährlich es sein kann, auf Discounterprodukte zurückzugreifen, erlebte ein FACTS-Redakteur bei der Erstellung dieser FACTS-Arena am eigenen Leib. In die Arena gestellt hatten die Redakteure den „Sitness Profi 200“ des Bürodrehstuhl-Experten Topstar und das Discounterprodukt „X-7C“, das über die Möbelhauskette XXL vertrieben wird.
Schon auf den ersten Blick sah der Discounterstuhl in den Farben Schwarz und Weiß eher nach der untersten Preisklasse aus. Aber spätestens beim „Schieben“ war klar, dass es sich um ein wirkliches Billigprodukt (obwohl er das bei einem Preis von 224 Euro eigentlich gar nicht ist) handelt. Die Rollen des Stuhls drehten sich so schwergängig, dass die Tester das Gefühl hatten, „die Bremsen“ wären angezogen.
Wie immer beim FACTS-Test wurde der Stuhl erst einmal auf das Gewicht des Testers eingestellt. Beim ersten Platznehmen passierte es dann: Die Kippmechanik der Rückenlehne öffnete sich in einem derart ungewöhnlich großen Winkel, dass der Redakteur mitsamt dem (vom TÜV geprüften) Stuhl nach hinten wegkippte und umfiel. An dieser Stelle hätte der Test an sich beendet sein müssen, denn alle Beteiligten waren sich jetzt schon einig: Aufgrund dieser Gefahr für den Anwender hat der „X-7C“ die Note „mangelhaft“ verdient.

 

Dem Vergleichsstuhl aus dem Hause Topstar merkte man dagegen sofort an, dass er von Profis entwickelt wurde: Der Grund: die Technik, das Design und die Haptik. Der „Sitness Profi 200“ ist mit einem Gelenk ausgestattet, das das Sitzen wie auf einem Gymnastikball ermöglicht. Über das Gelenk sind Sitzfläche und Stuhlobergestell dynamisch verbunden und schaffen so die Voraussetzung für ein äußerst angenehmes Sitzgefühl. Durch die ständige Dynamik der Sitzfläche in alle Richtungen bleibt der gesamte Körper und somit auch die Wirbelsäulenmuskulatur ständig in Bewegung und ermöglicht zusätzlich eine Entlastung der Bandscheiben.
Die Bewegungsintensität des „Sitness“-Gelenks lässt sich über ein Handrad einstellen und so individuell an den Nutzer anpassen. Aber nicht nur das: Der Profi 200 verfügt zudem über eine Punktsynchronmechanik zur synchronen Verstellung der Sitz- und Rückenlehnenneigung. Die Federkraft ist über einen seitlich ausziehbaren Verstellhebel individuell auf das Körpergewicht einstellbar und  sogar mehrfach arretierbar.
Auch der XORA X-7C ist mit einer Mechanik ausgestattet, die eine Bewegung  des Sitzenden ermöglichen soll. Doch ratsam ist das nach Meinung der FACTS-Redaktion nicht, da der maximale Öffnungswinkel der Rückenlehne viel zu groß ist und die Gefahr besteht, wie der Testredakteur nach hinten umzufallen. Die Federkrafteinstellung, die den Stuhl an das Gewicht des Nutzers anpassen soll, ist durch ein Rad unter der Sitzfläche möglich. Unter dem XORA-Stuhl befindet sich ein Hinweis, dass Anwender mit einem Gewicht von bis zu 120 Kilogramm Platz nehmen dürfen. Verwirrend: Auf dem dürftigen Beipackzettel wird eine maximales Belastungsgewicht von nur 100 Kilogramm angegeben. Die Federkrafteinstellung ist allerdings schon viel zu gering für eine Person, die weniger als 100 Kilogramm wiegt.
Im FACTS-Test wird natürlich auch das Design des Bürostuhls bewertet: Während es von der Redaktion für den X-7C vom Discounter nur ein Naserümpfen gab, gefiel der Topstar mit seinem modernen Netzrücken und dem Kunststoffrahmen auf Anhieb.

GÜNSTIG ODER TEUER

Auch mit den Funktionen Höhenverstellbarkeit der Rückenlehne, Sitzneige- und Tiefenverstellung sowie den optionalen Möglichkeiten, den Stuhl zu individualisieren, ist Topstar seinem Mitstreiter viele Nasenlängen voraus. Einen (vermeintlichen) Vorteil hat der XORA-Bürostuhl doch: Er ist in der Anschaffung günstiger als der Topstar Sitness Profi 200. Während der Anwender für den Topstar-Bürodrehstuhl rund 500 Euro bezahlen muss, beträgt der offizielle Preis des XORA X-7C 224 Euro (Preis jeweils ohne MwSt.). Aber ist der günstigere Preis wirklich ein Vorteil? Diese Frage dürfte nach dem FACTS-Test eigentlich beantwortet sein, oder?

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DAS DARF NICHT PASSIEREN: Schon beim ersten Platznehmen fiel der Discounterstuhl samt Redakteur um. Der Grund: ein viel zu großer Öffnungswinkel der Rückenlehne.

Klaus Leifeld

 

Bewertung:

sehr gut 10 2015   mangelhaft 10 2015
TOPSTAR
Modell Sitness Profi 200
  XORA
X-7C

 

 
Foto: iStockphoto LP